RUNKENSTEIN.DE - Neues aus Absurdistan

Literatur aus den unbekannten Gefilden des Verstands:
lustig und absurd, surreal und ungewohnt






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HvR#39
Herr von Runkenstein wird ein Cyborg

Es war in der Zukunft
als Herrn von Runkenstein bewusst wurde
dass er in keinster Weise an die Zukunft angepasst war
was sich weitgehend auf seine physische Existenz bezog
da er geistig nicht nur mit der Zukunft
sondern auch mit Gegenwart
Vergangenheit
und allen anderen darüber hinaus existierenden Zeitperioden schritthalten konnte
Umgehend suchte er eine zukünftige Zukunftsklinik auf
und ließ seine Augen durch augenähnliche Kameras ersetzen
welche nicht nur den infraroten und ultravioletten Zeitgeist erfassen konnten
und mit einer nichttödlichen Dosis Röntgenstrahlen
ganze Landstriche zu sterilisieren vermochten
sondern auch die aktuelle Uhrzeit und Ozonkonzentration
in das Blickfeld einblendete
Da Herr von Runkenstein ein Linkshänder war
konnte er auch auf seinen rechten Arm verzichten
und ließ sich stattdessen ein 22,5 mm-FLAK-Geschütz an die Schulter tackern
mit dem er ihn Zukunft sowohl Straßenüberfälle
als auch aufdringliche Insekten
und vielleicht sogar vor der Haustür stehende
Zeugen Jehovas abwehren konnte
Um nicht ständig auf die rechte Seite zu kippen
ließ Herr von Runkenstein sich anschließend
auch den linken Arm modifizieren
und erweiterte ihn um mehrere PCI-Steckplätze
und ein Münztelefon für den privaten Gebrauch
welches aber nur nordkoreanische Hundert-Dollar-Scheine entgegennahm
die aber selbst in Nordkorea kaum zu finden waren
Das linke Ohr musste einem Notstromaggregat weichen
und das rechte einem Hörgerät
was sich als überaus unpraktisch herausstellen sollte
wie sich jeder vorstellen kann
der bereits ein 22,5 mm-FLAK-Geschütz und ein Hörgerät
gleichzeitig benutzen durfte
Doch Herr von Runkenstein löste das Problem elegant
indem er die Lautstärke des FLAK-Gerätes
ein wenig herabsetzte
und sich vornahm
nicht mehr so genau hinzuhören
Als er kurz darauf den Wunsch äußerte
seinen Blinddarm durch taktische Neutronenbomben
aus israelischen Beständen zu ersetzen
bekam der behandelte Elektriker erste Zweifel
ob hier nicht moralische Grenzen überschritten würden
doch ein seine linke Hand durchschlagendes 22,5-mm-Geschoss
überzeugte ihn vom Gegenteil
Tags darauf
versuchte Herr von Runkenstein
einen Mitarbeiter des technischen Überwachungsvereins
von der Notwendigkeit eines elektrischen Eiscremeportionierers
anstelle eines linken Mittelfingers zu überzeugen
konnte den Mann aber nur durch das Angebot
eines kostenlosen Telefongespräches nach Nordkorea
von seinen edlen Motiven überzeugen
Etliche Jahrzehnte und blutige Zwischenfälle später
blieb nur noch zu erwähnen
dass Rost und Computerviren
des Cyborgs größte Feinde sind
und eigentlich auch schon immer waren


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