RUNKENSTEIN.DE - Neues aus Absurdistan

Literatur aus den unbekannten Gefilden des Verstands:
lustig und absurd, surreal und ungewohnt






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HvR#53
Herr von Runkenstein gegen das Nicht-Licht

An einem Samstag
der kein Samstag mehr war
als er zum Sonntag wurde
entdeckte Herr von Runkenstein
die kaum bekannte Tatsache
dass die Lichtgeschwindigkeit keineswegs konstant war
sondern ihre Geschwindigkeit kontinuierlich
an die erforderlichen Gegebenheiten anpasste
und deshalb eher mit einem Wackelpudding
als mit einem Stück Draht vergleichbar war
Genau diesen Draht verwendete Herr von Runkenstein
um mit Hilfe des erwähnten Puddings
die Lichtgeschwindigkeit um sich selbst zu drehen
und anschließend mit einer Schleife zu verknoten
was dazu führte
dass sämtliche Photonen des betroffenen Universums
plötzlich etwas besseres zu tun hatten
als den Naturgesetzen zu folgen
und sich stattdessen einige ruhige Wochen am Nordkap gönnten
um sich zum ersten mal richtig zu entspannen
und einige Partys zu feiern
Zwar sollte man zunächst annehmen
dass die Abwesenheit sämtlicher Photonen des Universums
die photonen-liebenden Kreaturen des selbigen
in Tod und Chaos
oder zumindest in eine gewisse Unordnung stürzen sollten
doch stattdessen nutzen die bis dato kaum bekannten
und danach auch nicht mehr sonderlich beliebten Anti-Photonen
die Gunst der Stunde
um den Platz ihrer spiegelverkehrten Genossen-Teilchen einzunehmen
und das genaue Gegenteil von Licht zu verteilen
nämlich das ein wenig gebogene
und steuerlich nicht absetzbare Anti-Licht
Da Anti-Licht nicht mit absoluter Dunkelheit zu verwechseln ist
war es keineswegs dunkel
sondern eher irgendwie anders als normales Licht
Die von den Anti-Photonen verteilte Helligkeit wirkte ein wenig dämmrig
roch nach einem ranzigen schwarzen Loch
und hinterlies einen schmierigen Ölfilm auf Iris und Schleimhäuten
Nicht zu vergessen die stete Veränderung des Farbspektrums
und die allgemeine Unentschlossenheit bei der Wahl
der Fortbewegungsgeschwindigkeit
Kurz ausgedrückt handelte es sich bei Anti-Licht
um eine minderwertige
und extrem unzuverlässige Alternative zu natürlich gezeugten Photonen
Da Herr von Runkenstein sich mit einem derartigen Qualitätsverlust
der universalen Lichtverhältnisse
natürlich nicht abfinden konnte
wählte er die zunächst offensichtlichste Möglichkeit
um den Zustand zu beenden
und stoppte sämtliche Alkohollieferungen an das Nordkap
was mit spontanen Gewaltexzessen
und dem Exodus der Photonenmassen endete
jedoch nicht zu dem gewünschten Ergebnis führte
da sich die noch immer stockbesoffenen Elementarteilchenkolonnen
stattdessen auf Helgoland niederließen
und die lichtscheuen Geschöpfe aus den trüben Tiefen der Nordsee
als Sklaven-Kellner
für die hellste Party in der Geschichte des Kosmos verpflichteten
Als Flunder verkleidet gelangte Herr von Runkenstein
schließlich tief in das helgoländische Zentralmassiv
wo er ein zuvor gefangenes Anti-Photon frei lies
und damit zunächt eine Panik
dann eine Explosion durch die Verschmelzung des Anti-Teilchens
mit einem daher gelaufenen Photon
und daraufhin ein weitaus größere Panik verursachte
da die entstehende Energie nicht nur Helgoland
und größere Gebiete der Nordsee auf weit über 11 km/s beschleunigte
was erwähnte Erdmassen zu einem längeren Urlaub
im Mare Tranquillitatis
nord-östlich von Apollo 11 veranlasste
sondern auch sämtliche Photonen
auf einen höheren Bewußtseinszustand hob
was dazu führte
dass diese sich zu einer mächtigen Lichtquelle vereinigten
deren enorme Leuchkraft sämtliche Anti-Photonen
vor Angst erstarren lies
Nachdem Herr von Runkenstein mit einem jupitergroßen Magneten
für Anti-Teilchen
sämtliche Anti-Teilchen aus dem Universum gelöst
und diese als Futtermittel
Öko-Dünger
und Schmiermittel verkauft hatte
verteilten sich die Photonen wieder im Universum
und verbreiteten überall ihr angenehm warmes und weiches Licht
Und wenn sie nicht gestorben sind
dann leuchten sie noch heute


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