RUNKENSTEIN.DE - Neues aus Absurdistan

Literatur aus den unbekannten Gefilden des Verstands:
lustig und absurd, surreal und ungewohnt






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HvR#59
Herr von Runkenstein bei den Bienen

An einem sonnigen Mittag-Tag
gegen halb drei auf einer Wiese
begegnete Herr von Runkenstein
einer fleißigen Biene
welche gerade die letzten Nektarreste
aus einer Blüte kratze
falls es überhaupt Nektar war
und sich anschließend auf den Weg
in das zentrale Honig-Aufbewahrungslager machte
jedoch nicht
ohne vorher das nahegelegene Mohnfeld zu besuchen
wo sich eine Kolonie
von kolumbianischen Koksbienen niedergelassen hatte
welche zwar einen Großteil ihres Jahresertrages an Honig
direkt an die Internationale Vereinigung
zur Behandlung von Persönlichkeitsstörungen schicken
dessen ständig zugekokste Königin jedoch
auch großen Wert auf Handelsbeziehungen mit
anderen Bienenvölkern und Atommächten legte
Die anfangs erwähnte Biene
welche sich gerade eine Konsumeinheit
von "Mohnfeld's Beste" injizierte
wusste jedoch nicht
dass Herr von Runkenstein auf ihrem Rücken saß
und bereits an einem Blütenführer für Bienen arbeitete
welcher schon bei seiner Ankunft
in dem zentralen Honig-Aufbewahrungslager
gedruckt und ausverkauft war
was eine blitzkriegartige Reisewelle erzeugte
welche sich mit lautem Summen in die Natur ergoss
und praktischerweise dazu führte
dass Herr von Runkenstein sich die Lokalität
etwas genauer und fast bienenfrei betrachten konnte
Zwei Minuten später
war Herr von Runkenstein offiziell gelangweilt
da es weder Atraktionen
noch Souvenirstände
und schon gar keine öffentlichen Toiletten gab
sondern nur höchst instabile Wachswände
welche sich in Kombination mit Feuer
und den überall nicht vorhandenen Feuerlöschern
das gesamte Bauwerk in ein tropfendes
und angenehm duftendes Inferno verwandeln würden
Zudem dienten sämtliche Wände
als Voratskammer und Kinderzimmer
was man lieber nicht verwechseln sollte
aber spätestens am Geschmack erkennen würde
Im Thronsaal der Königin
erwartete Herrn von Runkenstein eine echte Überraschung
nämlich ein König vom Stamm der afrikanischen Killerbienen
welcher durch einen Militärputsch zum Staatsoberhaupt wurde
und seitdem an Depressionen litt
weil niemand mehr über ihm war
den er putschen konnte
Als Herr von Runkenstein ihm jedoch
von den kolumbianischen Koksbienen berichtete
wurde er selbst unverhofft zum König
da der scheidende Diktator ihn zu seinem Nachfolger ernannte
jedoch nicht
ohne vorher weitreichende Handelsverträge
mit Blut und Honig zu unterzeichnen
und anschließend notariell beglaubigen zu lassen
Als kurz darauf Herr von Runkensteins neue Bienenuntertanen
mit allerlei Zutaten für die nächste Ernte eintrafen
verkündete er zunächst die aktuelle politische Situation
forderte dann die Verdopplung der Honigproduktion
und versprach dafür eine Erhöhung des Sicherheitsetats
und eine Ausweitung der militärischen Kommandooperationen
auf logistische Ziele verfeindeter Bienenstämme
mit dem Ziel der Infiltration und Inbesitznahme
aller vorhandenen Ressourcen
Nur wenig später
steuerte Herr von Runkenstein die Führung seiner Bienenvölker
mit Hilfe des Wabe-to-PC-Interfaces "Bienenführer 2.0"
welches es erlaubt
mit Hilfe einer grafischen Oberfläche
SMS
oder email
von einfachen Wabenbau- oder Honigsammelanordnungen
bis zu komplexen Angriffs-, Eroberungs- und Verteidigungsbefehlen
die gesamte Palette an Anweisungen in Echtzeit
und an bis zu 1.000 Bienenvölker zu senden
um deren Verhalten aufeinander abzustimmen
zu kombinieren
oder zu koordinieren
"Bienenführer 2.0" wird zusammen mit einer Bienenkönigin
und der Broschüre "Bienenkriege selbstgemacht" geliefert


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