RUNKENSTEIN.DE - Neues aus Absurdistan

Literatur aus den unbekannten Gefilden des Verstands:
lustig und absurd, surreal und ungewohnt






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HvR#68
Herr von Runkenstein wird Waffeninspektor

Als Herr von Runkenstein eines Tages
völlig überraschend
zum UN-Waffeninspektor berufen wurde
ging er unverzüglich ans Werk
und inspizierte die Waffenvorräte
in seinem Keller
was innerhalb von wenigen Tagen
einen 12.000 Seiten starken Bericht
hervorbrachte
der von Ameisensäure bis Zyankali
nahezu jede bekannte Substanz enthielt
die auch in einem guten Chemielexikon
verzeichnet wäre
und in Mengen von wenigen Gramm
bis mehreren Tonnen
hinter den Öltanks gelagert wurden
Die Liste der Trägersysteme
musste Herr von Runkenstein ein wenig fälschen
da er sich sicher war
dass intersolare Langstreckenraketen
mit kernfusionierenden Sprengköpfen
zu einem internationalen Penisneid
mit erdkrustenbrechenden Konsequenzen
führen würden
was kaum in Sinne des Herstellers war
dessen gesamter Absatzmarkt
davon betroffen wäre
und dieses Geld wollte Herr von Runkenstein
sich nur ungerne entgehen lassen
Die Abgabe des tonnenschweren Berichts
gestaltete sich jedoch sich völlig anders
als erwartet
da kein UNO-Mitarbeiter bereit war
die Runkenstein'sche Militärstreitmacht
zur Kenntnis zu nehmen
und die Papierberge zu analysieren
deren Inhalt mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit gefälscht war
wie es in solchen Kreisen allgemein üblich ist
Herr von Runkenstein nutzte unterdessen die Gelegenheit
und schloss sich einer Gruppe
internationaler Spione an
welche als Waffeninspekteure im Irak landeten
um dort in weißen Autos
durch die Lande zu fahren
und von Zeit zu Zeit eine Fabrik besichtigten
sich mit vergammelten Raketen fotografieren liessen
oder per GPS ein Ziel markierten
um die Koordinaten anschließend
per eBay zu versteigern
Da die gesuchten Massenvernichtungswaffen
die meiste Zeit über unauffindbar blieben
was daran lag
das sie sich auf Herrn von Runkensteins Dachboden befanden
beschloss eben dieser Herr von Runkenstein
sich anderen Ländern zu widmen
und klopfte nur wenig später
an die Stahlür eines US-Labors
wo man mit dem Besuch eines Waffeninspektors
am wenigsten gerechnet hatte
was man gut daran erkennen konnte
dass dort gerade
ein etwa zwei Meter großer Pockenerreger
eine Straßenkarte von Bagdad studierte
dessen Existenz und Ausbildung
ganz klar gegen das Verbot zur Entwicklung
offensiver Krankheitsreger verstiess
und der nur wenig später
als Untermieter
in Herrn von Runkensteins Keller wohnte
wo er sich ganz dem Studium
der Erdoberfläche widmen konnte


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