RUNKENSTEIN.DE - Neues aus Absurdistan

Literatur aus den unbekannten Gefilden des Verstands:
lustig und absurd, surreal und ungewohnt






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HvR#72
Herr von Runkenstein fährt Bahn

Als Herr von Runkenstein endlich
im Besitz jener Versicherungspolice war
welche über Mario Adorf
ihren schützenden Anti-Mafia-Schild hält
konnte er es endich wagen
zu einer Reise aufzubrechen
deren Ende nahezu unvorhersehbar war
aus dem einfachen Grund
weil es sich um eine Bahnfahrt handelte
wovon heutzutage kein Mensch mehr behaupten kann
er sehe der Reise freudig entgegen
Einen nicht unerheblichen Anteil daran
haben nich nur das rückschrittliche Tarifsystem
und die extraorbitanten Schlangen
vor den sogennanten Serviceschaltern
wo jene Menschen sitzen
welche am besten verbergen können
dass sie keine Ahnung haben
sondern in erster Linie
das geniale System der Zugbindung
welche nahezu jede Flexibilität beseitigt
die sich der gemeine Bahnkunde
nach langjährigen Erfahrungen
mit der Deutschen Bahn
zueigen gemacht hat
Nur Tage später
hatte Herr von Runkenstein es geschafft
entgegen aller Erwartungen
seine personalisierte Zugverbindung
mit seinem Aufenthaltsort
in Einklang zu bringen
war jedoch enttäuscht
angesichts der Tatsache
dass es allen anderen Ticketinhabern
ebenfalls gelungen war
ihre Verbindung zu erreichen
was sich in einem blutigen Missverhältnis
von Sitzplätzen und Passagieren bemerkbar machte
Die geballten Menschenmassen
konnte Herrn von Runkenstein jedoch
nicht davon abhalten
einen Sitzplatz in Beschlag zu nehmen
die genaue Methode kann hier
jedoch nicht genauer erklärt werden
da sonst morgen jeder einen Sitzplatz hätte
was in der Realität
kaum erstrebenswert scheint
Der weitere Verlauf der Reise
wurde geprägt durch eine Entführung des Zuges
durch arabisch-christliche Terroristen
welche ein Gruppenfoto mit Autogrammen
von Saddam
bin Laden
und Kim Jung Il
sowie freien Abzug nach Gaza-Stadt verlangten
was jedoch kaum realisierbar war
weil die Deutsche Bahn für eine Fahrt
dieser Längenordnung
weder Tickets noch Fahrpläne anbietet
und die Terroristen deshalb
mehr als ein Dutzend mal umsteigen mussten
um zumindest in die Nähe
der Po-Ebene zu gelangen
Für Herr von Runkenstein jedoch
endete die Reise wesentlich früher
da der Zug aus nicht nachvollziehbaren Gründen
auf freier Strecke hielt
und zu einer Weiterfahrt
nicht mehr zu bewegen war
was dem Zugführer nicht im geringsten störte
da er genau wußte
dass sein Chef unmöglich in diesem Zug sitzen konnte
weil über diesen bekannt war
dass er die Negativseiten seines Sauladens genau kannte
und aus diesem Grund
eine Reisehöhe von 10 Kilometern bevorzugte


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