Robotic Greetings

Runkensteins Wortkatakomben

Texte aus den tieferen Gefilden des Verstandes
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Das apokalyptische Manifest


Der folgende Text ist ein Manifest. Ein Manifest zu einem Thema, das häufig ignoriert und gerne verschwiegen und meistens als unrealistisch und obszön verleugnet wird. Doch es geht uns alle an, und es wird Zeit, diese schwierige Aufgabe anzugehen und zu einem positiven Abschluss zu bringen. Denn es geht um nichts geringeres als die Apokalypse und den Untergang der Menschheit, auf den wir schon viel zu lange warten.

Nun ist mir klar, das dieses Thema sehr kontrovers ist und die meisten Leute, wenn man sie spontan fragt, eher dazu neigen, sich gegen den Weltuntergang zu entscheiden, doch wenn man sich einmal mit den Argumenten beschäftigt, wird man schon bald die Vorteile erkennen, die mit einer zünftigen Apokalypse einhergehen.

Deshalb nun zu dem ersten Teil meines Manifests: Dem Warum. Warum ein Weltuntergang, und warum schon möglichst bald?

Der wichtigste Grund liegt auf der Hand: Umweltschutz. Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist und bleibt der Mensch. Hier gilt die Devise: die Menge macht das Gift. Ein paar Menschen sind kein Problem, aber sechs Milliarden bei steigender Tendenz sind eine planetare Katastrophe. Im Interesse des Planeten sollte seine Zahl also möglichst effektiv eingedämmt werden.

Der zweite Grund: Menschen sind Arschlöcher. Überwiegend. Also, vielleicht nicht gerade hier und heute, aber woanders auf jeden Fall.

Der dritte Grund ist sprachlicher Natur: Das Wort Apokalypse. Man kann auch Weltuntergang, Doomsday, Endzeit, Armageddon oder Tag des jüngsten Gerichts sagen, aber das Wort Apokalypse selbst hat einen wunderschönen Klang und ich würde mich freuen, das Wort in riesigen Buchstaben in allen Zeitungen zu lesen.

Der vierte Grund betrifft die Mathematik: Seit der Antike sagen Propheten die Apokalypse voraus, und rein statistisch betrachtet müsste es ja bald mal soweit sein. Warum also nicht etwas nachhelfen?

Zum Schluss noch ein wesentliches, weil massenpsychologisches Argument: Zukunftsängste. Diese sind derzeit weit verbreitet aufgrund zunehmender Umweltzerstörung, Finanzkrise, Armut, Aufstände und politische Unruhen, Überfischung der Weltmeere, Abholzung der Regenwälder und Ausrottung diverser Tier- und Pflanzenarten, Kriege und Energieknappheit, Wassermangel und Ausbreitung der Wüsten, Todesstrafen, Terroristen, Erderwärmung, Folter, Killerspiele und Amokläufe, zunehmende Überwachungsmaßnahmen und so weiter und sofort.
Auf einen Nenner gebracht lautet die Lösung: Keine Zukunft - Keine Zukunftsängste.
Der Weltuntergang ist daher die effektivste Methode, ein friedliches zusammenleben aller Menschen zu fördern. Und sei es nur für kurze Zeit.

Nach dem vortragen dieser völlig einleuchtenden Argumente, höre ich immer wieder die Frage "Das klingt ja alles gut und schön, aber was kann ich persönlich tun, um diesem hehren Ziel zu dienen?"

Hierzu möchte ich kurz ausholen und verschiedene Methoden des Weltuntergangs vorstellen, denn natürlich gibt es mehr als nur eine Möglichkeit, die Existenz der Menschheit zu beenden.

Zuerst ist dort die Gruppe der "natürlichen" oder auch "kosmischen" Apokalypsen. Das Paradebeispiel dafür ist der klassische Meteoriteneinschlag, der effektiv fast sämtliches Leben vom Angesicht der Erde tilgt, wie es bereits in der Vergangenheit mit den Dinosauriern passiert ist.
Weitere Methoden wären z.B. eine Supernova in unmittelbarer kosmischer Umgebung oder die totale Vernichtung des Sonnensystems durch ein schwarzes Loch, meine ganz persönliche Lieblingsmethode.
Auch eine Widerlegung der Unfehlbarkeit Gottes und die dadurch folgende totale Negierung der Existenz würde darunter fallen.

Alle diese Methoden haben jedoch den Nachteil, dass sie sich kaum absichtlich herbeiführen lassen, zudem sind die Kollateralschäden enorm. Deshalb nun zu der Gruppe der von Menschen ausgelösten oder auch "hausgemachten" Weltuntergänge. In diesem Bereich gibt es drei sehr effektive Methoden, welche ich Ihnen nun näher vorstellen möchte.

Die erste Methode ist ein moderner Klassiker der Apokalyptik und hat seine Wurzel in der ausufernden technologischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts, welche schließlich zu dem feuchten Traum eines jeden Apokalyptikers führte: Der Atombombe. Tatsächlich war die Möglichkeit eines thermonuklearen Weltkrieges, oder, wie der Endzeitromantiker sagt, eines "atomaren Holocausts" im letzten Jahrhundert eine extrem realistische Bedrohung und es gab nicht wenige Vorkommnisse, in denen dieser Traum fast zur Realität geworden wäre.
In der Gegenwart jedoch ist diese Form des Weltuntergangs jedoch am schwinden. Eine zunehmende nukleare Stagnation und sogar Abrüstung seit Ende des kalten Krieges sowie eine zunehmende Ächtung atomar bewaffneter Staaten und Personengruppen lassen der Möglichkeit weltweiten nuklearen Konflikts kaum noch zu, und selbst junge, aufstrebende Hoffnungsträger wie Indien, Pakistan oder der Iran konzentrieren ihr Potenzial auf lokale Abschreckung und nicht auf globale Vernichtung.
Der nukleare Winter ist deshalb, trotz seiner Effektivität und seines nostalgischen Charmes, kaum noch als Option zu betrachten.
Und nebenbei muss auch angemerkt werden, dass der Kollateralschaden durch extreme Verstrahlung nicht zu unterschätzen ist.

Die zweite Methode wird die Herzen aller Technologiefetischisten höher schlagen lassen: Die Übernahme der Weltherrschaft durch eine künstliche Intelligenz und die anschließende Vernichtung der Menschheit durch stählernen Legionen mobiler Vernichtungsroboter. Sofern man davon ausgeht, dass John und Sarah Connor nur fiktive Personen sind und eine sich in Erdlöchern verkriechende Rebellenarmee keine Zeitreisetechnologie entwickeln kann, wäre diese Methode sehr wirksam. Man sollte jedoch bedenken, dass der Bau einer solchen Armee enorme Ressourcen verschlingt und daher aus ökonomischen Gründen nur bedingt sinnvoll ist. Zudem würde dadurch der Raubbau an den natürlichen Ressourcen der Erde lediglich von einer neuen Rasse durchgeführt werden.

Kommen wir deshalb also zu der dritten, wahrscheinlicheren und, wie ich hinzufügen möchte, "sanfteren" Methode der Apokalypse. Es ist die Methode des 21. Jahrhunderts, welche dem Zeitgeist Rechnung trägt und die natürlichen Ressourcen sowie Tier- und Pflanzenwelt weitgehend unangetastet lässt, es ist die Methode, die quasi den blauen Engel als Qualitätssiegel verdient und von der Stiftung Warentest ganz bestimmt ein "sehr gut" einheimsen würde. Es ist die Methode, die nicht mit brachialer Gewalt zum Ziel führt, sondern fast unbemerkt beginnt und erst dann wahrgenommen wird, wenn es schon zu spät ist.
Es handelt sich dabei selbstverständlich um: Den VIRUS!

Jawohl, der Virus. Und ich meine damit nicht einen ordinären Grippe-Virus, der ebenfalls extrem effektiv ist und tödlich sein kann, sondern ich spreche von dem perfekten Virus, dem Designervirus, der in einem Labor entwickelt, optimiert und gezüchtet wurde, um eine Effektivität zu bieten, von welcher die Natur nur träumen kann. Dieser Virus hat das Potenzial, innerhalb weniger Wochen, wenn nicht gar Tage, die Anzahl der Menschen auf einen Bruchteil ihrer heutigen Anzahl zu reduzieren, und das mit minimalem Aufwand und noch umweltschonender als der Anbau von ökologischem Gemüse.

Und zudem, und dieser Faktor darf nicht unterschätzt werden, besteht bei einem optimal hergestellten Virus die Möglichkeit, einen zusätzlichen Nervenkitzel hinzuzufügen, um die letzten Tage der Menschheit noch sehr viel aufregender zu gestalten, als es mit Atompilzen und harter Gammastrahlung jeweils möglich werde.

Nur ein Wort: Zombies!

Jawohl, denn mit einem manipulierten Tollwutvirus wäre es durchaus möglich, das seit Jahren unterschätze Genre des Zombiefilms zur grausamen Wirklichkeit zu machen. Der Kampf ums überleben würde auf eine völlig neue Stufe gehoben werden und natürliche Auslese würde sich nicht länger auf evolutionsbiologische Vorgänge beschränken, sondern würde in unseren Vorgärten, unseren Treppenhäusern und unseren Fußgängerunterführungen stattfinden.

Optimale Vorbereitung ist hier alles, und die Zombiekalypse ja nun schon beschlossene Sache ist, wie sie meiner Argumentation entnehmen konnten, hier noch einige Tipps fürs Überleben:
- Vorsorge ist besser als Nachbereitung. Bewaffnen sie sich, so gut es geht. Hier sind uns die Amerikaner bereits weit voraus, aber auch ohne Schusswaffen können sie ihr Leben effektiv verteidigen. Baumärkte bieten ein ausgezeichnetes Sortiment an Äxten, und auch eine Machete oder ein Baseballschläger kann Wunder wirken, wenn er richtig verwendet wird.
- Spielen sie zur Vorbereitung Videospiele. Spiele wie Fallout 3 oder Left 4 Dead schulen Reflexe und den Überlebenswillen.
- Helfen sie niemandem. Jeder ist sich selbst der nächste. Denn was nützt die totale Vernichtung, wenn alle überleben? Wenn sie dennoch eine Zweckgemeinschaft gründen, sollten sie auf Ausgewogenheit achten. Körperlich schwächere Menschen wie Rentner oder Kinder können ihre Gruppe aufhalten und schwächen; wenn einer von ihnen erwischt wird, können sie jedoch unbemerkt die Flucht ergreifen. Umgedreht könnte eine stärkere Gruppe jedoch auch Sie opfern. Sie sollten im laufe ihres Kampfes ums überleben verschiedene Kombinationen ausprobieren, doch hüten sie sich vor Freundschaften und starken Bindungen, denn Trauer trübt die Wahrnehmung.
- Plündern sie bei jeder Gelegenheit, nehmen sie aber nur mit, was sie auch wirklich benötigen. Werkzeuge und Waffen werden sie in der Post-Apokalypse eher gebrauchen können als Bargeld und Laptops.
- Töten sie jeden Zombie, den sie sehen. Das härtet geistig und körperlich ab und ist besser als jedes Fitnesstraining.
- Wenn jemand aus ihrer Gruppe gebissen wird, sollten sie ihn sofort beseitigen, zu ihrer eigenen Sicherheit.
- Wenn sie selbst jedoch gebissen werden, sollten sie diese Tatsache möglichst lange verheimlichen oder bei der erstbesten Gelegenheit untertauchen. Halten sie sich jedoch trotzdem weiterhin in der Nähe ihrer ehemaligen Freunde auf, denn sie werden schon bald Hunger auf frisches Menschenfleisch und Gehirn verspüren, und dann wissen sie, wo sie es finden.

Nun möchte ich zum Ende kommen, deshalb das Schlusswort: Egal, welche Sorte von Apokalypse eintrifft, sie ist nicht so schlecht, wie man zuerst denken könnte. Wenn es soweit ist, sollten sie sich ihrem Schicksal fügen und versuchen, das beste daraus zu machen. Sagen sie ihrem Chef mal ordentlich die Meinung, rasen sie mit 120 durch die Fußgängerzone oder fangen sie an zu rauchen; was immer ihnen Freude bereitet.
Denn bedenken sie: ein Spiel macht erst dann Spaß, wenn es ein gutes Ende hat. Ohne Ende wird es irgendwann langweilig.
Und wenn sie meiner Argumentation zustimmen, dann schließen sie sich einer apokalyptischen Gruppe Ihrer Wahl an und arbeiten sie für das große Ziel, denn der Weltuntergang führt die Menschen zusammen und ist ein würdiges Finale für den seit Jahrtausenden laufenden Blockbuster, den wir „Die Geschichte der Menschheit“ nennen!