Robotic Greetings

Runkensteins Wortkatakomben

Texte aus den tieferen Gefilden des Verstandes
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Griechische Pferde und bayerische Trojaner


Was haben die Bayern eigentlich mit Troja zu tun?

Ich meine, ursprünglich gab es da mal ein Pferd aus Holz, in dem sich Griechen versteckt haben, um Troja zu erobern. Das war ja eigentlich ein griechisches Pferd, aber egal, stand ja erst vor, dann in Troja.

Dann kommt irgendwer auf die Idee, als nützliche Anwendung getarnte Computerprogramme, die böses im Schilde führen, auch so zu nennen. Hat weder was mit Troja noch mit Pferden zu tun und Griechen verstecken sich auch nicht darin, aber ist halt ein griffiges Wort.

Weil die Leute faul sind und gerne lange Begriffe abkürzen, wurde aus dem Trojanischen Pferd ein Trojaner, also das komplette Gegenteil von dem, was eigentlich gemeint ist; denn war das ursprüngliche Trojanische Pferd eine mit Griechen gefüllte Holzwanne auf Rädern, ist der Trojaner ja eigentlich ein Bürger der Stadt, die erobert werden sollte. Auf die EDV-Welt bezogen wäre der Trojaner dann eigentlich eine Datei in dem Computer, die mit dem Trojaner/trojanischem Pferd/griechischem Pferd/getarntem Computerprogramm erobert/besetzt/gelöscht&verändert/geplündert&angezündet werden soll.

Kommen wir nun also zu dem als “Bayerntrojaner” bekannten Programm, das sich als nützliche Anwendung tarnt, aber in Wirklichkeit Terroristen ausspionieren/verhaften/anzünden soll. Die Bayern sind ein Volksstamm/Bundesland nördlich der Alpen, dessen streng konservative Führung Regierung große Angst vor Terroristen hat und deshalb alles tun würde, um die bösen Muselmänner Islamisten Terrorverdächtigen zu finden, zu verhaften und zu foltern abzuschieben.
Aus diesem Grund bauen die Bayern ein großes Pferd aus Holz, streichen es blau-weiß-kariert an, verstecken sich darin und lassen es von den Terroristen herunterladen in die eigene Stadt schieben, um nachts, wenn die Trojaner Terroristen schlafen, herauszukommen und die Tore von Terroroja zu öffnen, damit die bayerische Polizei und der Verfassungsschutz die Stadt erstürmen und die Terrorojanisten niedermetzen und anschließend verhaften können. Natürlich alles nur im übertragenen Sinne, denn die geschilderten Ereginisse würden ja bestimmt gegen irgendwelche Gesetze und/oder Verfassungen verstoßen.

Der Bayerntrojaner, der im eigentlichen Wortsinn ein Bewohner der Stadt Troja mit bayerischen Wurzeln ist (keine Ahnung, wie man sich das vorstellen muss, vielleicht mag dieser Trojaner ja Weißwurst oder trägt Lederhosen), ist also in Wirklichkeit ein ursprünglich griechisches Holzpferd, jetzt aber bayerisches Computerprogramm, welches eben nicht verwendet wird, um Troja und die Trojaner ordentlich in den Arsch zu treten, sondern in Bayern lebende Terroristen und deren Computer.

Um die ganze Angelegenheit noch lustiger zu machen, als sie eigentlich ist, sagt der bayerische Innenminister Herrmann noch solche Sätze wie:
"Bayern wird als erstes Bundesland die Rechtsgrundlagen für Online-Durchsuchungen schaffen. Damit zeigen wir erneut, wer Marktführer im Bereich innere Sicherheit in Deutschland ist.""

Obwohl die Rechtsgrundlage ja eher zweifelhaft ist und es Marktführerschaft ja eigentlich nur dort geben kann, wo es auch einen Markt gibt. Und ich zumindest hab noch nie etwas von einem Markt für innere Sicherheit gehört. Oder habt ihr schonmal Sätze wie “Grüß Gott, gute Frau, ich hätte gerne drei Pfund von der inneren Sicherheit dort drüben, und sind die Verfassungsbrüche hier auch schön frisch?” gehört?

Und dann kommen auch noch Sätze wie folgendes zustande, in denen Herbert Ettengruber von der CSU die Schelte der Opposition als “impertinente Ignoranz” abtut:
“Es gibt kein zivilisiertes Land dieser Welt, wo diese Dinge nicht gesetzlich erlaubt sind”

Was sich ja echt toll anhört, ich zumindest kann da echt nichts erwidern. Alleine schon die Formulierung “impertinente Ignoranz” zeigt mir, das alle Gegner von bayerisch-griechischen Holzpferd-Computerprogrammen offensichtlich keinen blassen Schimmer haben, worum es geht. Zudem hab ich keine Ahnung, welche Länder nun genau als zivilisiert gelten, geschweige denn kenne ich die dortigen Gesetze, welche das Zusammenleben von Griechen, Trojanern, Bayern und deren Computerpferd-Holzprogrammen untereinander regeln. Da bin ich echt überfordert.

Hier nun also mein Schlusswort: Hütet euch vor Holzpferden, die groß genug sind, um mehreren Griechen oder Bayern Platz zu bieten. Ganz besonders, wenn ihr in Troja wohnt. Ihr könnt es gerne bewundern, aber zieht es bloss nicht in in Stadt hinein, und ladet es auch nicht auf eure Computer runter. Den Griechen in Troja und Bayern in Computern verursachen nur Probleme.