Robotic Greetings

Runkensteins Wortkatakomben

Texte aus den tieferen Gefilden des Verstandes
lustig - absurd - düster - kafkaesk - surreal - grotesk


Die erste Stadt


Der große Arbeitsroboter setzte die Diamantsäge an den harten Fels an, in welchen sie sich kreischend versenkte; das schrille Echo hallte von den kantigen Wänden und der hohen Decke zurück. Eine dichte Staubwolke bildete sich und verhüllte den Arbeitsbereich des Roboters, bis ein großes Stück der jahrtausende alten Mauer abbrach und die Trümmer nach einigen Metern liegen blieben, um von dem Roboter mit Hilfe zweier Greifarmen auf die Ladefläche eines bereitstehenden Kettenfahrzeuges gehievt zu werden. Seralon schaltete den Atmosphärenreiniger an und wartete ungeduldig, bis der Staub aus der Luft gefiltert war.

Seralon war der Ausgrabungsleiter in der ersten Stadt und Experte für die Geschichte seiner Rasse, der Meha. Die Ausgrabungen in der ersten Stadt waren der einzige Weg, etwas über die Herkunft der Meha zu erfahren, über die so wenig bekannt war. Die letzten 6.000 Jahre ihrer Geschichte waren gut dokumentiert, doch die Ereignisse des ersten Jahrtausends und die Zeit vor dem Jahre Null lagen in der Dunkelheit verborgen.
Damals waren die Meha, so heißt es heute in den meisten Büchern, aus dem Nichts aufgetaucht: Plötzlich stand die erste Stadt in dem ersten Hohlraum, der Urhöhle, von dem aus die gesamte bekannte Welt erschlossen wurde. Viele Einzelheiten wurden in Chroniken festgehalten, doch die älteste dieser Aufzeichnungen ist 6.005 Jahre alt und stammt aus dem Jahr der großen Zerstörung:
995 Jahre nach dem Jahr Null.
Seither haben sich Millionen von Wissenschaftlern, Philosophen und Theologen Gedanken gemacht und Tausende von Theorien über die Herkunft und die vergessenen Jahre der Meha aufgestellt.
Einige der Theorien wurden schließlich ernst genommen und bildeten die Grundlagen von Religionen, was zu Konflikten, Verfolgungen und schließlich zu Glaubenskriegen führte. Zwei Jahrtausende führten die Meha Krieg gegeneinander, bis es den geistigen Führern der Spära gelang, einen Frieden mit den anderen Völkern auszuhandeln. Nach zehnjährigen Verhandlungen verteilten sich die verschiedenen Völker der Meha auf die sieben großen Hauptkomplexe der Welt, die Urhöhle und die erste Stadt wurde gemeinsames Erbe aller Meha. Die Stadt Uzei, ganz in der Nähe der ersten Stadt und nur Zwanzig Jahrhunderte jünger, wurde so zur Hauptstadt der Welt und die erste Stadt zum Symbol für die Einheit der Völker.
Im Jahr 6.995 entschied der hohe Rat, das in der seit 6.000 Jahren als heilig geltenden und deshalb verbotenen ersten Stadt Ausgrabungen durchgeführt werden dürfen, um mehr über den Ursprung der Meha zu erfahren.

Der Staub hatte sich verzogen und gab die Sicht auf ein halb verschüttetes Haus frei, welches noch aus der Gründerzeit stammte. An einer Wand waren große Buchstaben zu erkennen, Seralon nahm einen feinen Pinsel und befreite die Schrift von dem Staub. die Farbe schien auf die Wand gesprüht zu sein, in großen Buchstaben stand dort: "new world sux." Die Worte "new" und "world" kannte Seralon aus den alten Chroniken, es hieß "neue Welt". Das Wort "sux" war ihm unbekannt, aber "neue Welt" machte auch wenig Sinn. Es sei denn, es gäbe so etwas wie eine alte Welt.

Die Theorie der alten Welt gab es schon sehr lange, mit ihr erklärte man sich die Existenz der "Urbücher", jene sagenumwobenen Bücher hinter den Mauern der ersten Bibliothek, welche aus der Zeit vor dem Jahr Null stammten. Sie enthielten unglaubliches Wissen, auf dem die gesamte technische Entwicklung der Meha basiert. Die Technik der licht- und wärmespendenden Energieeinheiten, welche in jedem größeren Komplex an der Decke befestigt waren, stammte beispielsweise aus den Urbüchern; die alte Welt oder die Meha wurde jedoch nie in ihnen erwähnt.
Einige Gelehrte glaubten, das es sich bei der alten Welt um riesige Höhlenkomplexe handelte, die vor im Jahr Null verlassen wurden, aber die Veröffentlichung dieser Theorie im Jahr 2001 führte zu dem ersten Glaubenskrieg und der Spaltung der Völker: die Existenz einer Welt außerhalb der bekannten Welt galt damals noch als Ketzerei.
Seit dieser Zeit wurde die alte Welt von den Gelehrten nur noch hinter verschlossenen Räumen diskutiert. Seither vertraut auch Mehrheit der Meha auf die Religionen, die schon seit mehreren tausend Jahren existieren, zwei sogar seit dem Jahr Null.

Inzwischen war auch Karesch, Mitarbeiter und Freund von Seralon, eingetroffen. Er war etwas jünger, risikofreudiger und trieb andere gern in den Wahnsinn; doch er war ein guter Freund, auf den man sich verlassen konnte. Zudem war er nicht religiös und damit nicht so verblendet wie andere, die in der ersten Stadt nur nach Beweisen suchten, um die Richtigkeit ihres eigenen Glaubens zu beweisen. Von diesen Typen hatte Seralon genügend kommen und gehen gesehen.
"Hätte nie gedacht, das unter diesen Trümmerhaufen noch was zu finden ist." Karesch kannte zwar den Plan der ersten Stadt auswendig, doch Seralon tat es auch und hatte zudem ein gewisses archäologisches Gespür.
"Sieht nach Gründerzeit aus, oder? Schon drin gewesen?"
"Natürlich nicht. Drin gewesen, meine ich." antwortete Seralon, "In ein Haus der Gründerzeit geht man nicht einfach rein. Ich hatte gerade einen Roboter angefordert." Karesch hielt nichts davon, wichtige Entdeckungen Maschinen zu überlassen.
"Wozu die Mühe? Früher oder später müssen wir sowieso rein." Mit diesen Worten ging Karesch zu der Metalltür direkt neben der Schrift und drückte die Türklinge herunter, mit lauten quietschen öffnete sich die Tür einen Spalt. Seralon wurde sauer.
"Was soll das? Ich bin hier immer noch der Ausgrabungsleiter! Du kannst nicht durch die Ruinen der ersten Stadt gehen, als wärst du der Hausmeister." Karesch grinste.
"Und dennoch mache ich es immer wieder!" Er nahm seine Taschenlampe, öffnete die Tür vollständig und leuchtete in den Raum. Seralon gab es auf, außerdem wollte er Karesch auf keinen Fall den Vortritt lassen, wenn es um ein Haus der Gründer ging.
"Ich werde als erster gehen. Du machst nur wieder irgend etwas kaputt."
Karesch rechtfertigte sich. "Halt' mir das nicht ewig vor, ich hab mich doch tausendmal entschuldigt. Was kann ich dafür, wenn in der Waffenkammer der ersten Stadt plötzlich meine Taschenlampe versagt?" Seralon blieb ruhig.
"Du hättest auf mich warten können. Man tastet sich nicht blind voran, wenn man von uralten Waffen und Chemikalien umgeben ist." Karesch wollte noch etwas sagen, aber Seralon würgte das Gespräch ab, indem er seine Lampe einschaltete und als erster in den kleinen, dunklen Raum trat.

Die Luft roch abgestanden und modrig, im Lichtkegel der Lampen schwebten Pilzsporen in der Luft. Die Wände waren von verschiedenen Pilzsorten überwuchert, der Boden sehr staubig. Der Raum war fast leer, nur einige verrostete Metallregale standen an einer Wand und ein vermoderter Holzschreibtisch und ein Stuhl an der gegenüberliegenden. Seralon suchte den Raum mit dem hellen Licht nach Fallen oder anderen Gefahren ab, es war jedoch nichts zu erkennen. Vorsichtig betrat er den Raum und hinterlies seine Spuren in der dicken Staubschicht, unter der er Sand knirschen hörte.
Die Fläche des Schreibtisches war ebenfalls von einer Staubschicht bedeckt, sonst aber leer. Er hatte vier Schubfächer, doch nur in der linken oberen war noch eine Schublade, die Seralon mit einem laut pochenden Herzen langsam herauszog, nachdem er sich dünne Handschuhe übergestreift hatte. In ihrem inneren lag etwas schwarzes Rechteckiges, es schien ein Buch zu sein, vorsichtig nahm er es hinaus und legte es auf den Tisch. Es war tatsächlich ein Buch, wenn auch sehr dünn. Mit einem Messer hob Seralon vorsichtig den Einband etwas an, bis er mit der Taschenlampe eine Schrift erkennen konnte. Es war eine sehr alte Sprache, die er zwar kannte, aber nicht lesen konnte.
Nur einer könnte sie entziffern: Makarok, der Gelehrte. Niemand wusste mehr über die frühe Geschichte der Meha, er war zudem der Hüter der ersten Stadt und bei allen Völkern in dieser Funktion akzeptiert. Seralon schickte Karesch, um Makarok zu holen, und sah sich dann in dem Raum weiter um. Von draußen hörte er, dass Karesch einige Leute anwies, das Haus abzusperren, während sein Blick durch den Raum streifte. Langsam wurde er sich bewusst, dass er im ersten Haus der ersten Stadt der Zivilisation stand. Er hatte es nie verstanden, das in all den 7.000 Jahren niemand in der alten Stadt nach Antworten gesucht hat, obwohl doch jeder wusste, wo man in etwa zu suchen hatte, doch die Stadt war in den meisten Religionen heilig und deshalb verboten. Diese konnten nur dadurch bestehen, das sie die alten Legenden und Theorien von der Herkunft der Meha verbreiteten und Anhänger bekamen.
Die großen Religionen hatten bis zu 100.000 Anhänger, und das bei einer halben Milliarde Meha insgesamt. Alle predigten Frieden, bekämpften sich jedoch gegenseitig seit Jahrtausenden. Die meisten Kriege der Geschichte waren Religionskriege, die meisten Meha starben wegen ihres Glaubens. Was immer dort auf dem Tisch lag, es könnte eine der Religionen als die einzig Wahre bestätigen. Das bedeutete entweder der Beginn des ewigen Friedens oder der letzte Krieg der Geschichte. Seralon wurde unruhig, er schien schon seit Stunden auf Makarok zu warten.

Als Makarok endlich ankam, hatte Karesch ihm bereits das wesentliche berichtet. Er war ebenso gespannt wie Seralon, denn er selbst hatte nie die Möglichkeit gehabt, in der ersten Stadt nach Relikten zu suchen. Als er jung war, hatte er mehrmals versucht, heimlich in die Stadt zu gelangen, wurde jedoch immer gefasst. Seit er der Hüter der Stadt war, besuchte er sie oft, aber große Entdeckungen waren selten. Makarok kannte die Stadt zwar inzwischen auswendig, aber in diesem Bereich hätte er nie verschüttete Häuser vermutet.
Ehrfürchtig betrat er den Raum und lies seinen Blick über die Wände und den Boden gleiten, ging dann zu dem Tisch mit dem Buch.
"Hast du schon irgendwas angefasst?" wollte er wissen.
"Ich hab das Buch aus der Schublade genommen, mit Handschuhen, sonst nichts. Aber was ist mit der Schrift draußen an der Wand? Es geht um eine neue Welt, nur das letzte Wort kenne ich nicht." Makarok sah sich den Papierstapel genauer an und zog sich Gummihandschuhe über die Hände. "Das Wort stammt aus einer uralten Umgangssprache und wurde vermutlich benutzt, um etwas zu beleidigen. Irgend jemandem vor 7.000 Jahren hat die neue Welt nicht gefallen."
"Und wo es eine neue Welt gibt, muss es auch eine alte Welt geben oder gegeben haben, richtig?" Seralon wusste, das Makarok von der Existenz einer alte Welt überzeugt war.
 "Richtig. Wer das schrieb, kannte vielleicht die alte Welt." Mit zwei Spezialpinzetten hob er das poröse Deckblatt von dem Stapel und legte ein mit Handschrift beschriebenes Blatt frei. Einige Stellen waren durch im Laufe der Jahre unkenntlich geworden, dennoch konnte man an Makaroks Gesicht erkennen, das es etwas Großes sein musste.
"Es ist ein Tagebuch!" sagte Makarok begeistert und machte einige Fotos, dann begann es langsam mit der Übersetzung der lesbaren Stellen:

Die alte Welt
"Der Planet ist tot. Biologische, chemische und Atomkriege haben das ökologische Gleichgewicht der Erde völlig zerstört, nur ein paar primitive Tiere und Pflanzen existieren noch auf den leeren Kontinenten und in den Ozeanen. An einigen Orten leben noch Menschen, doch weltweit gibt es nur noch einige Tausend von uns. Die dominierende Rasse des Planeten hat versagt, unsere Führer haben versagt, wir haben versagt.
Als ein "nützliches Individuum" wurde ich mit einigen hundert anderen Menschen ausgewählt, einen großen, unterirdischen Bunkerkomplex zu beziehen, ein bescheidener Neuanfang im Inneren der Erde. Unsere bedauernswerten Freunde auf der Oberfläche haben keine Überlebenschance, denn die Krankheiten sind zu tödlich, die Strahlung ist zu stark und die Selbstmordrate zu hoch, als das sie die nächsten Jahre überleben könnten.
Es gibt noch andere Bunker, in denen andere Kolonien ihr Glück versuchen, aber wir werden überleben. Wir haben große Bohrfahrzeuge und Spezialbagger, saubere Energie und Wasser, nachwachsende Nahrung. Wir werden unsere Körper und Technologie der Erde anpassen, werden mit ihr verschmelzen und eine neue Menschheit erschaffen, die irgendwann aus der Tiefe kommen und auf der Oberfläche eine neue Welt erschaffen wird."

Makarok hörte auf zu lesen, mehr war auf der Seite nicht zu erkennen. Er blickte auf und sah in die ungläubigen Gesichter von Seralon und Karesch, nachdenkliches Schweigen beherrschte den Raum. Nach einem Moment fragte Karesch: "Was ist ein Planet? Was sind Kontinente und Ozeane?"
Seralon war bereits einen Gedanken weiter. "Ein Neuanfang im Inneren der Erde. Wenn damit unsere Welt gemeint ist, heißt das, dass wir vorher außerhalb gelebt haben, was immer das Wort 'Erde' bedeuten möge. Es ist von einer Oberfläche die Rede, aber die Oberfläche wovon? Und wenn der unendliche Fels nicht unendlich ist, wieso haben wir dann nie etwas anderes gefunden in den 7.000 Jahren unserer Zivilisation? Wie konnten wir überhaupt unsere Herkunft vergessen?"
Sie sahen Makarok an, Dessen Gedanken sie aber nur erahnen konnten. Das erste Dokument über die Ereignisse vor Null lag direkt vor ihm, doch statt den ersehnten Antworten hatte er nur Fragen, sie schienen ihn förmlich zu erdrücken. Ein plötzlicher Gedanke ließ aber einige der Fragen in einem neuen Licht erscheinen. "Es gibt eine sehr alte Theorie, über die ich vor vielen Jahren in der großen Bibliothek gestolpert bin. Sie besagt, das wir nicht in den Hohlräumen in einem unendlichen Fels leben, sondern auf großen Felskugeln, die sich in einem völlig leeren Raum um riesige Energiekugeln drehen. Vielleicht leben wir in einer dieser Felskugeln."
Seralon hatte zwar großen Respekt vor Makarok, aber diese Idee schien ihm nicht sehr plausibel. "Große Felskugeln, die um noch größere Energiekugeln schweben? Das mit dem leeren Raum verstehe ich ja, man muss sich nur den Fels wegdenken. Aber schwebende Kugeln? Warum fallen sie dann nicht herunter? Woher kommen sie, und warum entstand auf den Energiekugeln Energie und auf den Felskugeln Leben?" Makarok entgegnete: "Das Schweben funktioniert in dieser Theorie zwangsweise, ich werde sie dir irgendwann erklären. Und das Leben ist sehr wahrscheinlich auf dieser Oberfläche entstanden, denn in den Höhlen unserer Welt haben wir nie höherentwickeltes Leben entdeckt."
Karesch warf ein: "Und wo kommen all die Tiere und Pflanzen her, von denen wir uns ernähren?" Makarok antwortete: "sie alle wurden von den Gründern mitgebracht und der frühen Gentechnik an das Leben hier angepasst. Es ist nicht vielen bekannt, das alle Lebewesen vor dem Jahr Null an sehr helles Licht und starke Strahlung gewöhnt waren, heller, als je einer unserer selbstentwickelten Energiestrahler strahlen könnte. Vermutlich konnten die Gründer die Energiestrahler nur entwickeln, weil sie ein genaues Vorbild hatten, nämlich die Energiekugel in der Nähe unserer Felskugel." Makarok stutzte einen Moment, als er noch mal auf das Blatt sah: "Gerade fällt mir noch etwas auf, die Worte 'Menschheit' und 'Menschen'. Vielleicht war das unser Name vor Null. 'Eine neue Menschheit erschaffen.' Anscheinend haben die Gründer mit dem Neuanfang selbst den Namen unserer Rasse geändert."
Nach einem Moment Schweigen blätterte Makarok vorsichtig um und übersetze wieder, obwohl es diesmal eine andere Schrift in einer anderen Sprache war:

Die neue Welt
"Ich schreibe diese Worte in ein 500 Jahre altes Tagebuch mit der Hoffnung, zukünftigen Generationen mit dem Wissen der Vergangenheit zu helfen, denn wer die Geschichte nicht kennt, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Einer der Gründer berichtet von der alten Welt, unwissend darüber, was die kommende Zeit bringen wird, ich kann es jedoch berichten.
Die ersten Herrscher der neuen Welt waren die Generäle, sie hatten die absolute Kontrolle. Um die Kontrolle zu behalten, machten sie viele Menschen zu unfreiwilligen Soldaten, die eigentlich wichtige Aufgaben hatten. Nach einigen Jahren wurde die Nahrung knapp und die ersten Menschen starben vor Hunger, weil die meisten Arbeiter inzwischen Soldaten waren (Ich schreibe Menschen, weil wir Menschen waren, sind und bleiben werden; auch hier.). Als die Ingeneure aber statt Werkzeugen und Maschinen Waffen herstellen sollten, fand die erste von vielen Revolutionen statt. Die Generäle und Offiziere wurden von ihren eigenen Soldaten hingerichtet und gingen wieder an ihre Arbeit, Nahrung gab es wieder reichlich und das Militär wurde als Feind der Menschheit geächtet. Statt einer Militärführung gab es nun einen großen Rat, der im Interesse jedes Einzelnen handelte, und eine Periode des Friedens brach an.
In dieser Zeit gab es einen starken Bevölkerungsanstieg und die weiten Bunkeranlagen wurden zu eng. Der Rat beschloss eine großangelegte Erweiterung des Bunkers und die Suche nach größeren Höhlen, um Kolonien zu errichten. Unter dem Motto "Unser Volk braucht Raum" bohrten sich Tunnelbauer in zwölf Richtungen mit der Hoffnung, große, unbewohnte und unverseuchte Hohlräume zu finden. Nach zwei Tagen stießen bereits die Hälfte der Teams auf undurchdringlichen Felsen, am dritten Tag gab es nur noch zwei Mannschaften. Am vierten Tag durchbrach ein Team den Fels und fand einen riesigen Hohlraum vor, der Platz für mehrere tausend Menschen bot. Schnell waren Sauerstoffkonverter und Lichtstrahler aufgebaut, mehrere Expeditionen vermaßen die Höhle und fanden Durchgänge zu weiteren, noch größeren Hohlräumen. Die Boden war an den meisten Stellen ebenerdig, der Fels weich genug, um ihn abzutragen.
Die ersten Bewohner der neuen Welt waren Bauarbeiter und Ingeneure, welche die erste Stadt errichteten. In der Mitte des Hohlraumes bauten sie einen riesigen Stahlturm, der bis an die Decke reichte, und dort wurde die erste Sonnenkugel installiert. Seit diesem Tag strahlte sie helles Licht und Wärme aus und lockte Tausende aus dem Bunker in die Stadt. In den folgenden Jahren wurden weitere Städte gebaut und auch die anderen Höhlen mit Sonnenkugeln versorgt, bis nach zehn Jahren niemand mehr den Bunker bewohnte. Der große Rat zerfiel und es bildeten sich Stadträte, welche in Streit darüber gerieten, was mit den alten Anlagen passieren solle. Unter den Bewohnern der Stadt Babylon hatte sich eine neue Religion ausgebreitet, welche die Höhlen als heilig und die Oberfläche als verdammte Welt ansahen, und so verlangten sie eine Versiegelung, es sollte keinen Weg mehr an die Oberfläche geben. Der Rat der ersten Stadt waren dagegen, und so begann der erste Krieg. Die Babylonier eroberten die erste Stadt und versiegelten den Eingang, die Bewohner flüchteten in die anderen Städte. Einige Jahre später eroberte eine Allianz aus Europs und Austras die Stadt und trieb die Babylonier zurück. In den folgenden Jahrzehnten wurden viele Kriege um die alte Stadt geführt, zwischen den verschiedensten Allianzen und mit immer höheren Verlusten. Bald wusste kaum noch jemand, warum die erste Stadt überhaupt so wichtig war. Die dunkle Zeit erreichte ihren Höhepunkt, als die trojanische Armee die Sonnenkugel über Europ zerstörte. Zehntausende von Flüchtlingen zogen durch die Höhlen und die Nachbarstadt Asis wurde von Hungernden überrannt. Doch eine Welle von Revolutionen durchzog die Städte und zerstörte die Kriegsmaschinerien, die Sonnenkugel über Europ wurde repariert und eine neue Zeit des Friedens brach an.
In der kommenden Zeit waren Philosophen hoch angesehen, auch bildeten sich viele Religionen. Das neue, vereinigte Volk hatte Fragen, geistige Führer lieferten Antworten und die Existenz des Bunkers und der alten Welt war vergessen oder wurde geheimgehalten. Es folgten Religionskriege, Inquisitionen und Kreuzzüge, dann wieder reinigende Revolutionen. Unsere gesamte Geschichte ist ein ständiges Wechsel von Kriegen und Frieden, Räten und Führern, Freundschaften und Fehden, Aufbau und Zerstörung.
Heute, nach 500 Jahren, leben wir in einem jungen Frieden. Die erste Stadt steht unter Verwaltung einer Allianz zwischen Europ und Troja und die Revolution in Austra vor einigen Monaten verspricht eine friedliche Zukunft. Die großen Religionen haben ihre alten Feindschaften überwunden und die zahlreichen kleinen Religionen und Sekten stellen zur Zeit keine Bedrohung dar. Ich blicke hoffnungsvoll in die Zukunft und bin sicher, das bald die gesamte Menschheit wieder von der alten Welt wissen wird, denn nur aus den Fehlern der Vergangenheit können wir für die Zukunft lernen."

Makarok war sichtlich bewegt, als er mit dem Lesen fertig war. Obwohl es bisher keine Überlieferungen aus dieser Epoche gab, kamen ihm die Ereignisse seltsam vertraut vor, denn in den letzten Jahrtausenden hatten sich die Völker nicht viel anders verhalten als in der Gründerzeit. Religionen und Städte kämpfen seit Jahrtausenden um die Macht, die niemand konnte sie über längere Zeit behalten. Immer hat es vernünftige Menschen gegeben, die sich zusammenschlossen und die Welt befriedeten, und immer gab es machthungrige Wahnsinnige, welche Armeen aufbauten und im Namen der gerade vorherrschenden Religion Kriege führten, die erste Stadt eroberten und die Welt in Tod und Verderben stürzten.
Wieder war es Karesch, der als erster etwas sagte: "Ich finde das nicht sinnvoll. Dieser ständige Wechsel von Krieg und Frieden hat uns doch nichts gebracht."
"Menschen sind nicht vernünftig. Sie haben die alte Welt zerstört und würden auch die neue Welt zerstören, wenn sie nicht so klein wäre." sagte Seralon. "Aber bisher haben Revolutionen immer das schlimmste verhindert. Wir neigen zwar dazu, uns hinter geistigen und militärischen Führern zu verstecken; aber wenn das Leben zu schlecht und die Situation ausweglos wird, zerstören wir das alte System und fangen neu an."
"Das stimmt" sagte Makarok, "Und die letzte Revolution war vor über 100 Jahren. Die Welt ist bereit für eine neue Reinigung, und diese Schriften werden aufräumen unter den Religionen. Deshalb müssen wir auch vorsichtig sein und diese Sache geheim halten, bis wir den letzten Beweis haben." "Und was soll das sein?" fragte Karesch, aber Seralon wusste die Antwort bereits.
"Die Oberfläche. Wir müssen sie selber sehen und einen Beweis ihrer Existenz mitbringen. Es wird uns zwar kaum gelingen, gleich alle zu überzeugen, aber viele Gelehrte werden dann sicher mitkommen und sie mit eigenen Augen sehen wollen. Das sollte reichen; solche Nachrichten verbreiten sich schneller als der Schall. Das einzige Problem ist, dass wir den Weg an die Oberfläche nicht kennen."
"Falsch: IHR kennt den Weg nicht", erwiderte Makarok. "Diese Karte hier", er deutete auf ein vergilbtes Blatt Papier, das er in dem Buch gefunden hatte, "ist zwar sehr alt und schlecht gezeichnet, aber ich habe lange genug hier gelebt, um etwas zu erkennen. Der Gang zu dem Bunker liegt in einem entlegenen Teil der ersten Stadt und wurde mit einer Mauer versiegelt. Eine alte Schrift warnt davor, sie einzubrechen: Es heißt, dort liegen Hunderte von Leichen, die von einem gefährlichen Pilz getötet wurden. Die Mauer wurde nie eingerissen, um keine Seuche zu verbreiten und um die Totenruhe zu wahren. Wir werden sie sprengen und, wenn ich Recht habe, mit einigen Fahrzeugen zum Bunker fahren und von dort auf die Oberfläche gelangen. Ich werde ein Team von Leute zusammenstellen, denen wir vertrauen können."
"Und wenn du irrst und hinter der Mauer wirklich verseuchte Leichen liegen?" fragte Karesch besorgt, doch Makarok war fest entschlossen: "Dann waren sie über Jahrtausende eingemauert sind jetzt ungefährlich. Aber ich bin bereit zu sterben und werde niemanden mitnehmen, der es nicht ist. Das ist es mir wert, die Oberfläche zu finden. Und wenn sie bewohnbar ist, wird sich alles verändern."
Mit diesen Worten nahm er das Buch und verließ das Haus, drehte sich aber noch mal um und rief: "Morgen früh um 25 Uhr genau hier!" , dann ging er. Sein Weg führte ihn zu einem Freund aus früheren Jahren, der dafür bekannt war, alles besorgen zu können, und zu einigen Schülern, denen er vertrauen konnte.
Seralon und Karesch beendeten ihren heutigen Arbeitszyklus und gingen nach Hause. In der Nacht träumte Seralon von einer großen, gelben Energiekugel, die von roten, grünen, blauen und gelben Felskugeln umgeben war; alle drehten sich um sie. Es wurden immer mehr Energiekugeln und sie wurden immer kleiner, bis zum ersten Mal seit über 7.000 Jahren wieder ein Mensch den Sternenhimmel sah, wenn auch nur im Traum.

Am nächsten Morgen standen Seralon und Karesch um Punkt 24:55 Uhr in dem entlegenen Teil der ersten Stadt, als Makarok mit zwei offenen Geländewagen für schwieriges Gelände den uralten, holprigen Weg heranfuhr. Bei ihm waren sein Freund und Kollege Eloko, ebenfalls Geschichtsforscher mit der Erfahrung von unzähligen Ausgrabungen, und zwei von Elokos Schülern, Maku und Danog. Seralon setzte sich in den Wagen zu Makarok und Eloko, Karesch zu Maku und Danog. Zunächst fuhren sie noch durch Straßen und Gänge der ersten Stadt, dann in einen entlegenen, großen, dunklen Teil der Urhöhle, in welchen das Licht der Sonnenkugel nicht mehr reichte. Sie schalteten die Lampen der Geländewagen ein und erreichten kurz darauf das Ende des Weges, in dessen Nähe in den Fels eine Mauer eingelassen war. In einer alte Schrift war darin die Warnung vor einer dahinterliegenden, tödlichen Seuche eingemeißelt.
Makarok gab Maku und Danog ein Zeichen und fuhr dann den Wagen hinter einen Felsvorsprung. Maku stieg aus und lies sich von Danog eine schwere Kiste reichen, die er zu der Mauer trug und sie dort auf den Boden stellte, währenddessen fuhr Danog mit dem zweiten Wagen ebenfalls hinter den Fels. Als Maku die anderen erreichte und Makarok den Fernzünder gab, zog er sich sofort seine Schutzmaske über, was die anderen bereits getan hatten. Dann zählte Makarok von Fünf rückwärts und drückte bei Null auf den roten Knopf, eine gewaltige Detonation lies den Fels erbeben. Große Gesteinsbrocken flogen im hohen Bogen durch die Luft und schlugen gegen die an dieser Stelle nur 50 Meter hohe Decke der Höhle, die Schallwelle hallte von den Wänden zurück und war bestimmt bis in das ferne Europ zu hören.
Makarok verließ die Deckung und begutachtete sein Werk: Im Fels befand sich ein großes Loch von mehreren Metern Durchmesser, die zwei Meter dicke Mauer war fast völlig verschwunden. Er ging zurück und aktivierte das Funkgerät in seiner Maske: "die Mauer ist weg und das Loch groß genug für die Fahrzeuge. Wir müssen uns beeilen, bevor die ersten Neugierigen hier eintreffen. Die Sicherheitskräfte werden die Gegend absperren und ein Bioteam anfordern, aber bis zur Entwarnung sind wir hoffentlich schon in dem alten Bunker. Ich habe keine Hinweise auf die Länge des Tunnels gefunden, aber wir sollten uns auf eine längere Fahrtzeit einstellen." Dann startete er den Wagen und fuhr los, über unzählige Steinbrocken auf dem Boden vor die dunkle Öffnung, wo er noch mal anhielt und die Lichter des Wagens einschaltete. In dem hellen Licht war gut zu erkennen, das der Tunnel künstlich angelegt wurde, denn an den Wänden waren die typischen Schabspuren der Tunnelmaschinen zu erkennen, die von den Gründern und späteren Generationen verwendet wurden.
Vorsichtig rollten die Wagen in den Tunnel hinein und fuhren mit geringer Geschwindigkeit. Nach einigen hundert Metern waren sich Makarok und Eloko einig, das es sich auf keinen Fall um eine Leichenhalle handeln könnte, und beschleunigten auf 100 Kilometer pro Zyklus, danach noch mal auf 150 km/z.
Der Tunnel war völlig gerade und der Weg frei von Hindernissen. In den jüngeren, künstlichen Gängen musste man immer mit von der Decke gefallenen Steinen auf dem Weg rechnen, aber dieser Tunnel hatte den Jahrtausenden standgehalten. Die Erbauer mussten sich sehr viel Mühe mit ihm gegeben haben.

Es war Punkt 35:70 Uhr, als im Lichtkegel des vorderen Wagen das Ende des Tunnels auftauche und Makarok abbremste, um direkt vor einem großen Stahltor anzuhalten. Seralon, Karesch und Danog stiegen aus, um sich das Hindernis näher anzusehen, und entdeckten dabei einen Hebel an der linken Wand, in einen großen Stahlkasten eingelassen. Eine Gravur auf dem Kasten sah aus wie ein geöffnetes Tor, also legten sie mit vereinigten Kräften den festgerosteten Hebel um. Er rastete unten ein, aber außer einem Klicken passierte nichts weiter. Seralon ging wieder vor das Tor und drückte dagegen, und tatsächlich öffnete es sich Zentimeter für Zentimeter. Karesch und Danog kamen dazu und halfen ihm, bis sie gemeinsam beide Tore geöffnet hatten und den Blick auf einen 20 Meter hohen und 50 Meter breiten Gang freigaben, dessen Ende mit bloßem Auge nicht sichtbar war. Die drei stiegen wieder in die Fahrzeuge und fuhren langsam weiter, nach einer ersten Luftanalyse nahmen sie auch die Masken ab.
Auf beiden Seiten führten in regelmäßigen Abständen kleinere Gänge tief in den Fels, die Wände dazwischen waren mit merkwürdigen Motiven bemalt, die vielleicht von der Oberfläche stammten. Der Boden war von kleineren Steinen übersät, welche sich aus der Decke gelöst hatten. An einigen Stellen waren Wände oder die Decke eingestürzt, aber sonst war der Bunker in gutem Zustand. Nach ein paar Minuten kamen sie zu einer Stelle, an der ein riesiges Loch in der Wand klaffte, auch Teile des Bodens und der Decke fehlten. Makarok wurde langsamer und hielt an der Stelle an, aber in dem dunklen, offenbar großen Hohlraum war nichts zu erkennen. Seralon schwenkte zwei Strahler des Wagens in das Loch und musste sie auf volle Leistung stellen, um das Ausmaß des Hohlraumes zu erfassen: Anscheinend waren die untersten Ebenen des Bunkers zusammengebrochen und alle darüber liegenden Ebenen mit in die Tiefe gerissen. Zu allen Seiten lagen Räume und Gänge des Bunkers frei, Seralon zählte 5 Ebenen über und 20 Ebenen unter ihrem Standpunkt. Bis zu den Räumen auf der gegenüberliegenden Seite des Hohlraumes waren es bestimmt 500 Meter.
Sie nahmen die Fahrt wieder auf und kamen nach kurzer Zeit zu einer Kreuzung, an der Makarok nach Links abbog. Dieser Gang endete nach einigen hundert Metern in einer Sackgasse, die Wand war an dieser Stelle jedoch auffällig porös. Makarok stieg aus und ging zu ihr, um an der Oberfläche zu kratzen und mit einem kleinen Hammer auf sie zu schlagen.
"5 Kilo Sprengstoff." rief er Maku zu, ging wieder zu seinem Wagen und fuhr den Gang zurück, um in Deckung zu gehen. Kurz darauf kam auch der andere Wagen wieder aus dem kleinen Gang und Maku überreichte Makarok den Zünder.
Eine Minute später fuhren sie bereits durch das metergroße Loch in der Mauer und in einen nach oben führenden Tunnel, dessen Boden von Kies und kleinen Steinen bedeckt war und nach etwa zwei Kilometer von einem Tor versperrt wurde, das jedoch nicht verriegelt zu sein schien; Makarok fuhr leicht dagegen, worauf es sich öffnete. Der Tunnel dahinter war eine natürlich entstandene Höhle, hatte aber eine Straße, welche in 50 Metern in eine leichte Kurve ging. Helles Licht schien um die Ecke, vielleicht war es die Sonne. Sie hielten an, um sich Strahlenschutzanzüge anzuziehen und setzten sich Schutzbrillen auf, bevor sie in das Licht fuhren.

Das letzte Stück des Tunnels war hell erleuchtet und sein Ende strahlte in einem wunderschönen, tiefen Blau. Als sie kurz darauf den Ausgang erreichten, waren sie von dem Anblick überwältigt: Das Blau war überall anstelle einer Felsdecke und schien unendlich weit weg zu sein. Mitten in diesem Blau ragte eine alles überstrahlende Energiekugel, von welcher die Sonnenkugeln vermutlich ihren Namen hatten, und ihr Licht war strahlender und heller als alles, was sie bisher gesehen hatten.
Unter ihnen lag eine riesige Ebene mit Wäldern, Straßen und einer großen Stadt mit hohen Gebäuden. Die Stadt lag am Ufer eines riesigen Gewässers, das bis zum Horizont reichte.
"Der Ozean" sagte Eloko mit ehrfurchtsvoller Stimme. "Er wird in den Schriften einer alten Sekte erwähnt. Größer und tiefer als alle Gewässer, die wir aus unserer Welt kennen." Alle anderen schwiegen und genossen den sagenhaften Anblick dieser neuen Welt. Makarok und Seralon hatten Ferngläser dabei und betrachteten sich die Stadt und ihre Umgebung genauer: Auf den Straßen waren dunkle Kettenfahrzeuge und tausende von Soldaten zu sehen, von einem abgesperrten Gelände erhoben sich Flugmaschinen in die Luft und auf dem Ozean schwammen mehrere große Schiffe dem Horizont entgegen.
"Da unten ist etwas in Bewegung." sagte Seralon, aber die anderen hatten es bereits bemerkt.
"Die Kampfmaschinen sind sehr weit entwickelt." bemerkte Makarok. "Sie scheinen einen Angriff zu erwarten oder vorzubereiten".
"Da passiert etwas auf dem Ozean" sagte Seralon und lenkte die Aufmerksamkeit der anderen auf einige große Feuerbälle, die von den Schiffen aufstiegen. Erst jetzt sahen sie auch die Angreifer: Hunderte von dreieckförmigen Flugmaschinen, die mit hoher Geschwindigkeit auf die Stadt zuflogen und Raketen abfeuerten. Die Flugabwehr reagierte sofort und schoss unzählige Raketen und Leuchtspurgeschosse in den Himmel, aber die meisten der Angreifer konnten geschickt ausweichen. Nur etwa zwei Dutzend der vordersten Angriffswelle wurden getroffen und fielen brennend in die Stadt, wo sie die Mauern der Häuser durchschlugen und explodierten. Die Flugmaschinen, welche die Stadt verteidigen sollten, hatten nicht viel mehr Glück, sie waren zu langsam, unwendig und viel zu wenig, um den geschickten kleinen Jägern gefährlich werden zu können. Somit war die gesamte Flugabwehr nach nicht mal einer Minute vernichtet und die Angreifer zischten über die Köpfe der staunenden Unterirdischen hinweg ins Landesinnere davon. Für einen kurzen Moment schien es, als wäre der Angriff vorbei, dann erschienen aber ein Dutzend wesentlich größerer, länglicher Maschinen inklusive Begleitschutz am Horizont und flogen über die Stadt hinweg, um einen einzelnen, länglichen Gegenstand abzuwerfen, der auf das Zentrum der Stadt zusteuerte.
"Bedeckt eure Augen!" rief Makarok, der bereits eine helle Explosion erwartete.

Die Bombe explodierte und erzeugte einen Lichtblitz, der selbst die Sonne an Helligkeit übertraf. Der anschließende Blick auf die Stadt zeigte das gewaltige Ausmaß der Zerstörung: Aus dem Stadtzentrum hob sich eine riesige Wolke empor, die weit in die Höhe reichte und sich dort unter einer unsichtbaren Mauer in alle Richtungen verteile, ein riesiger Pilz aus Feuer und Staub. Eine Druckwelle hatte bereits das gesamte Zentrum der Stadt mit seinen riesigen Bauten in ein Trümmerfeld verwandelt und jagte jetzt mit unglaublicher Geschwindigkeit und Zerstörungswut durch die Außenbezirke, wo alles brennbare nach der Zerstörung in Flammen aufging.
Mehrere helle Blitze aus verschiedenen Richtungen machten den Unterirdischen klar, dass die Flugzeuge die nächsten Städte im Landesinneren erreicht hatten. Die Zerstörungswelle näherte sich schnell dem Tunneleingang auf dem kleinen Berg und ließ nur die Flucht zurück in den Bunker zu, deshalb stiegen die Besucher rasch in die Fahrzeuge und rasten in den Tunnel. Das alte Tor durchquerten sie in selbstmörderischer Geschwindigkeit, als die Druckwelle gerade den Eingang erreichte. Auf dem steinübersäten, schmalen Weg rutschen die Wagen aus und schleuderten mehrmals zwischen den Wänden her, konnten sich aber wieder fangen, bis nur einige Sekunden später der hintere Wagen von der Druckwelle erfasst und auf den Vorausfahrenden geworfen wurde. Beide Fahrzeuge verkeilten sich, schlugen gegen Wände und Decke, gingen in Flammen auf. Innerhalb von Sekunden wurden erst Karesch und Maku, dann Danog, Makarok und Eloko gegen die vorbeirasenden Wände geworfen, die weit verteilen Überreste verbrannten sofort. Seralon war festgeklemmt und musste brennend noch einige hundert Meter überstehen, bis sich die Wracks mit seinen verkohlten Überresten in einer engen Kurve in die Wand bohrten.