Robotic Greetings

Runkensteins Wortkatakomben

Texte aus den tieferen Gefilden des Verstandes
lustig - absurd - düster - kafkaesk - surreal - grotesk


Im Namen des Erzengels


Für Byron war es ein fast normaler Tag. Er ging morgens ins Büro, arbeitete acht Stunden und fuhr am Abend wieder heim, doch irgend etwas stimmte nicht. Es lag am Licht, irgendwie war alles leicht rot, selbst die Luft schien zu leuchten. Die Sonne ging gerade unter und die Wolken reflektierten das Licht, aber er steuerte auf eine nachtschwarze Regenfront zu. Es dauerte nur einige Minuten, bis er im strömenden Regen fuhr und die ersten Blitze über den schwarzen Himmel zuckten. Die Landstraße war völlig verlassen, obwohl es früher Abend war und sich um diese Zeit sich meist der Feierabendverkehr über die Straße und durch die kleinen Dörfer quälte. Ein Zucken ging durch den Wagen, der Motor verstummte. Byron lenkte an den Straßenrand und ließ den Wagen ausrollen. Verdammt, eine Panne bei diesem Wetter! Er zog sich die Kapuze über den Kopf und stieg aus, öffnete die Motorhaube und sah in den Wagen, obwohl er nicht wusste, nach was er überhaupt suchen soll.
In diesem Moment schoss ein Blitz vom Himmel und ließ ihn erstarren. Alles um ihn herum wurde Licht, welches sich wie ein Tornado um ihn zu drehen begann. Es wurde schneller und er begann zu fallen, irgendwo hin. Alles um ihn herum verschwamm und er verlor das Bewusstsein.

Als Byron auf dem Boden liegend aufwachte, war um ihn herum nichts. Er stand auf und sah sich um, aber von Horizont zu Horizont war nur der Boden zu erkennen. Der Himmel leuchtete in einem rot-difussen Licht, der Boden war glatt und absolut schwarz. Er ging gerade ein paar Schritte, als eine laute Stimme von überall her zu sprechen begann:
"Dies ist mein Wille: Kehre zurück auf Erden und töte für mich". Byron rechnete nicht mit einer Antwort, fragte trotzdem: "Warum, und wer bist du?", doch die Stimme sprach: "Ich bin der Erzengel Lucifer, der erste aller Gefallenen".
Anscheinend hatte er keine Wahl, außerdem wollte er zurück in sein Leben. "Schicke mich zurück, und du wirst Seelen bekommen" sagte Byron, einen Sekundenbruchteil später durchzuckte ihn wieder ein Blitz.

Byron fuhr immer noch auf der Landstraße im strömenden Regen. Er erinnerte sich an alles, wusste aber nicht, wie er jetzt wieder im Wagen sitzen konnte. In diesem Moment fuhr er wieder an der Stelle vorbei, an der er vorhin anhielt. Dort stand ein Wagen, es war sein Wagen und sogar sein Nummernschild. Die Motorhaube war offen, er bremste etwas und fuhr langsam vorbei. Vor dem Auto stand jemand. Er erkannte das Gesicht, es war er selbst! Byron fuhr ein kalter Schauer über den Rücken, er trat das Gaspedal durch und fuhr viel zu schnell durch den strömenden Regen nach Hause, ständig in den Rückspiegel blickend.

Zu Hause dachte er über das gerade Erlebte nach und beschloss, es als einen kurzen Tagtraum abzuhaken, als ein stechender Schmerz seinen Körper durchfuhr. Er bäumte sich auf vor Schmerzen und fiel auf den Boden. Kurz darauf waren die Schmerzen abgeklungen, aber nicht völlig weg. Der restliche Abend war für Byron nicht gerade schmerzhaft, aber dennoch unangenehm.
Am späteren Abend, als er bereits im Bett lag, bekam er eine Vision. Mit zwei Schwertern bahnte er sich einen Weg durch eine dichte Menschenmenge, er schlachtete sie ab wie Vieh. Die Vision endete so abrupt, wie sie begonnnen hatte, und trotz ihrer Grausamkeit fühlte er sich sehr viel besser als zuvor, sogar die Schmerzen waren völlig weg. Somit konnte er ruhig einschlafen und die Alpträume der Nacht genießen.
Am nächsten Morgen fühlte er sich wieder so schlecht wie am Abend zuvor, doch der erste Gedanke an das Töten linderte den Schmerz. In den folgenden Tagen kam der Schmerz immer wieder, aber Mordgedanken linderten sie jedes Mal. Umgekehrt wurde der Schmerz immer dann stärker, wenn ihn Zweifel plagten, wenn er Skrupel bekam. Auch die Visionen kamen immer häufiger, bis sie mehrmals täglich auftraten. Ihr Inhalt war immer gleich: Er tötete andere Menschen. Er benutzte Messer, Schwerter, Gewehre, Granaten, sogar seine blanken Hände, und jede Vision genoss er, sie waren besser als Drogen oder Sex.
Nach nur wenigen Tagen beherrschte der Gedanke an Tod und Zerstörung sein gesamtes Denken. Als er zwei Tage völlig schmerzfrei war, hatte er in der Nacht einen Traum: Alles war dunkel und eine vertraute Stimme sprach: "Es wird Zeit für dich. Töte!" Byron wusste, dass die Erfüllung seiner Träume bevorstand, und so begann er mit sorgfältigen Planungen.

Schon am nächsten Tag begann er mit den Vorbereitungen und besuchte jemanden, den er schon lange nicht mehr gesehen hatte. Er parkte vor dem abgelegenen Haus am Waldrand, ging die Treppenstufen zur Tür hoch und klingelte. Ein etwa 30-jähriger Mann öffnete die Tür. "Byron? Was willst du denn hier, du hast dich ja ewig nicht gemeldet". "Hallo Mark. Bist du alleine?", fragte Byron. "Ja, wieso? Was ist denn los?"
In diesem Moment zog Byron das Jagdmesser aus der Jacke, rammte es von unten in den Kopf seines Bruders und schob die Klinge bis in das Gehirn. Ein leises Röcheln drang aus dem Mund seines Bruders, die Augen waren starr und weit aufgerissen, als der Körper nach hinten in den Flur fiel und noch kurz zuckte. Byron beugte sich herunter und zog das Messer wieder aus dem Kopf raus. Er hatte diesen Mann immer gehasst und auch schon über Mord nachgedacht. Aber jetzt, als er leblos am Boden lag und das Blut aus Mund und Hals strömte, spürte er nichts mehr, es war ihm einfach egal, ob dieser Mensch lebte oder tot war.
Aus dem Büro holte Byron einen Schlüsselbund und ging in den Keller. Nachdem er die schwere Tür des Vorratsraumes aufgeschlossen und den Raum betreten hatte, glaubte er sich im Paradies: die Waffenkammer seines Bruders. Mark hatte schon sein ganzes Leben eine Vorliebe für Waffen, aber was Byron hier sah, hatte niemand ahnen können: Maschinengewehre aller Größen und Kaliber, alle Arten von Handfeuerwaffen, Handgranaten, Präzisionsgewehre, Rauchbomben, Blitzgranaten, Messer, eine große Menge Sprengstoff und mehrere Kisten Munition. Bisher war Mark nur als Sammler von historischen Waffen bekannt, aber hier lagerten High-Tech-Geräte. Byron wusste nicht, wofür sein Bruder dieses Arsenal brauchte, aber das war ihm auch egal, weil Mark tot war. Und er hatte für die Waffen einen Verwendungszweck, also begann er, seinen Wagen zu beladen.

Am späten Abend rief sein Vater an und teile ihm mit, dass man seinen Bruder ermordet hatte. Byron täuschte Betroffenheit vor und fragte, ob man etwas über Motiv und Täter wüsste. Sein Vater erzählte, dass die Polizei im Mafiamilieu ermittelte, da Mark anscheinend in illegale Waffengeschäfte verwickelt gewesen war. Über die Beerdigung verloren sie kein Wort, beiden war klar, dass Byron nicht kommen würde.

Die folgenden Tage verhielt er sich unauffällig. In seiner Wohnung lagerten genügend Waffen und Munition, um ein Todesschwadron auszurüsten, und die Polizei war auf der Suche danach. Also schaffte er die Sachen aus seiner Wohnung, richtete sich Verstecke und Waffenlager ein, kaufte Kleidung und Ausrüstung. Er machte sich auch Gedanken über seine Vorgehensweise. Er wollte töten, Angst und Schrecken verbreiten, aber auch nicht gefasst werden.
Er könnte einen Gewaltmarsch anfangen, dass selbst Gott sich vor seine Skrupellosigkeit fürchten würde, aber dann hätte er nach nur ein paar Stunden die Polizei auf dem Hals. Er müsste untertauchen und könnte nur noch aus dem Hinterhalt zuschlagen, wenn überhaupt. Oder er würde schnelle, saubere und präzise Aktionen durchführen, so könnte er vielleicht einige Monate der Polizei ständig voraus sein.
Byron dachte einen Moment nach und wusste dann genau, was er zu tun hatte: Er mußte in möglichst kurzer Zeit so viele Menschen töten, wie er konnte. Er spürte, das tief ihn ihm ein geborener Killer steckte, der sich nun endlich befreit hatte und sein Handwerk beginnen durfte.
Mit einem Stadtplan seiner Heimatstadt verschuf Byron sich erstmal einen Überblick über das Zielgebiet. In der Innenstadt gab es eine Fußgängerzone, einen Marktplatz, viele verwinkelte Straßen und Gassen und einen Stadtring. In einigen Tagen, am Samstag, ist mal wieder eines dieser neuen Feste, die nur veranstaltet werden, um die Leute am Wochenende in die Stadt zu holen und Alkohol an sie zu verkaufen.
Menschen haben die dumme Angewohnheit zu flüchten, wenn man sie bedroht, also sah es nach einer Jagd aus, wofür in der Innenstadt ein Motorrad perfekt war. Wenn man flüchtende Menschen in eine Richtung treiben kann, wäre das auch ein Vorteil. Menschen flüchten vor Explosionen und Feuer, also benötigte er einzelne Bomben, die sich mit Fernbedienung zünden lassen. C-4 und Fernzünder hatte Byron glücklicherweise von seinem Bruder geerbt, auch ein Motorrad gehörte zu seinem Nachlass. Wenn man Bomben in Geschäften und Kaufhäusern plaziert, kann man damit auch Menschen heraustreiben. Das würde auch bei Schulen funktionieren, aber die waren samstags ja zu.

Gleich am nächsten Tag begann Byron, den Sprengstoff zu plazieren, in Geschäften, Kaufhäusern, auf den Dächern und unter den Straßen. Danach fuhr er mit einigen Waffen raus in den Wald und übte das Zielen. Er hatte sich nie besonders für Waffen interessiert, dennoch konnte er sie bedienen wie ein Elitesoldat. Auf einen Kilometer Entfernung konnte er eine Gruppe von Wanderern töten, ohne einen Schuss daneben zu setzen. Mit dem Ding wäre er gerne mal auf den Kirchturm gestiegen, aber das wäre zu auffällig und wenig effektiv gewesen. Während er die 7 toten Wanderer im Wald vergrub, dachte Byron darüber nach, wie er das Schwert am besten einsetzen könnte, das er zu seinem achtzehnten Geburtstag von seinem Vater geschenkt bekam.

In der folgenden Nacht hatte er wieder eine Vision. Alles um ihn herum war hell, und ein Wesen aus Licht sprach: "Du gehst den falschen Weg. Mein Bruder hat dein Gewissen geraubt, die Verbindung zu allen anderen deiner Herkunft, zu allem, was exisitert."
Byron wachte schweißgebadet auf und war hellwach. Er schaltete das Licht an und ihm wurde klar, das gerade die andere Seite zu ihm gesprochen hatte. Auf seiner Decke lag ein Zettel, er nahm ihn in die Hand und las: "Das Böse, geboren aus der Angst, kriecht aus deinen tiefsten Alpträumen bis in deine Seele und nistet sich in ihr innerstes ein, wo ein ewiger Kampf zwischen Gut und Böse beginnt."
Byron verstand nicht, er wolle auch nicht verstehen. Er war ein Reiter der Apokalypse und von Erzengel Lucifer persönlich auf Erden gesandt, um ein Blutbad anzurichten und ein Zeichen zu setzen: das Zeichen des Bösen und des Hasses, das in jedem von uns steckt und jederzeit hervorkommen kann.
Er las den Zettel noch einmal und verstand jetzt die Worte. Der Zettel ging in Flammen auf und die Asche fiel auf seine Decke, er fegte sie mit der Hand weg. Dann legte er sich wieder hin und schlief weiter.

Der nächste Tag war ein Samstag. Es war der Samstag, der in die Geschichte eingehen würde als der Tag, an dem der Racheengel auf Erden kam, um Lucifers Botschaft zu verkünden. Byron sah auf die Uhr, es war Dreizehn Uhr Dreißig. Die halbe Nacht hatte er sich mit Alpträumen um die Ohren geschlagen, er träumte ausnahmslos vom Krieg. In dieser Zeit gab es keine richtigen Kriege mehr, das Zeitalter der großen Schlachten war vorbei. Heute würde er wieder für einige Stunden den Krieg auferstehen lassen.
Byron stand auf, zog sich an und ging ins Wohnzimmer, wo er die Waffen lagerte. Die Auswahl war groß, aber er wusste bereits, was er benötigte. Zunächst brauchte er einige Klingen, er entschied sich für zwei Nahkampfmesser und das Schwert. Dann nahm er zwei Automatikpistolen, Modelle mit besonders großen Magazinen, und hing sie an seinen Gürtel. Für das eigentlich Massaker hatte er sich für zwei vollautomatische Gewehre, eines mit Granatwerfer, entschieden. Er kannte nicht die Modellnamen oder die Herkunft, aber bei einigen Tests hatten sie sich als die besten erwiesen. Er hatte für sie genug Munition, Granaten und Magazine. An Gürteln und Tragegurten befestigte er Hand- und Schockgranaten und volle Magazine für Gewehre und Pistolen, um seinen linken Unterarm schnallte sich das Bedienteil für die Sprengstoffzünder. Byron zog sich einen langen Mantel über, ging aus dem Haus und fuhr mit dem Motorrad in die Stadt.

In der Innenstadt stieg Byron zunächst auf ein Dach, von diesem aus konnte er einen großen Teil der Stadt mit Marktplatz und Fußgängerzone überblicken. Er nahm den Feldstecher aus der Tasche und musterte das Zielgebiet. Überall waren Menschenmassen, sie sammelten sich an Würstchenbuden und Bierständen. Byron kontrollierte die sichtbaren Bomben auf den Dächern: Nichts ungewöhnliches zu erkennen. Er nahm den Feldstecher herunter und aktivierte das Steuerelement der Zünder. Die Zünder zählten automatisch durch, alle Bomben waren aktiviert und die Steuerung scharf. Für den ersten Test drückte er 01. Mit den Feldstecher sah er Richtung Westen, wo nun eine Feuerwerksrakete in den Himmel stieg und explodierte. Ein paar Menschen sahen sie, der Rest aber bemerkte sie nicht.
Er hielt nochmals Ausschau nach Polizei, aber entdeckte nichts, also ging er runter auf die Straße und dann zum Marktplatz. Dort stellte er sich an eine unauffällige Stelle, vor der aus er einen guten Überblick hatte. Byron genoss die Spannung, er stand kurz vor dem Höhepunkt seines Lebens. Er sah in die unwissenden Gesichter der Menschen, die schon in einer Minute tot oder schwer verletzt sein werden. Er hatte kein Mitleid, keine Skrupel, kannte keine Reue. Es gab für ihn kein Zurück mehr, die Entscheidung war längst gefallen. Nicht er hatte sie getroffen, sondern Lucifer, und es war Byron eine Ehre, ihm zu dienen.

Er griff in seine Manteltasche und nahm eine Pistole mit Schalldämpfer heraus; die ersten Schüsse sollten keine Panik auslösen. Er lud die Waffe durch und richtete ihn auf die Menschenmenge, ein eisiger Schauer durchfuhr ihn. Byron zog den Abzug langsam zurück. Es war, als würde für einen Moment die Zeit stehen bleiben und die Welt den Atem anhalten. Als der Abzug seinen Endpunkt fand, hörte Byron ein leises Klicken, darauf folge eine gedämpfte Explosion. Eine Stichflamme schoss aus dem Lauf zusammen mit der Kugel Adam, die sich fest entschlossen ihren Weg bannte. Dabei streifte sie ein Ohr und riss es zur Hälfte ab, um anschließend eine Schädelwand zu zersplittern und in die Hirnmasse einer jungen Frau einzudringen. Bei dem Versuch, den Schädel wieder zu verlassen, war die kleine Dum-Dum-Kugel jedoch nicht so elegant und riss ein großes Loch in den Schädel, um dann zusammen mit Gehirnstückchen und Knochensplittern zu Boden zu fallen.

Noch während Adams Reise begannen auch seine sieben Geschwister ihre tödlichen Flüge. Lillith durchschlug die Schulter eines biertrinkenden Mannes und riss ihn zu Boden. Sachiel raste in den Hals eines Jugendlichen und zerfetzte Luftröhre und Halsschlagader. Shamshel bohrte sich in die Eingeweide einer Frau, Ramiel zeriss das junge Herz eines Kindes, das von seiner Mutter gehalten wurde. Gaghiel zersplitterte den Unterkiefer eines gut gekleideten Herren, Israfel tat das selbe mit der Kniescheibe eines Obdachlosen, der um Münzen bettelte. Sandalphon schließlich erlitt fast das selbe Schicksal wie Adam. Er drang genau zwischen den Augen des Bürgermeisters in dessen Schädel, durchschnitt das Gehirn und schlug ein Loch in den Hinterkopf, aus dem ein Teil des Gehirn herausspritze, bevor der Körper leblos zu Boden sank.

Einige Menschen fingen an zu schreien oder wegzulaufen, andere erstarrten. Niemand hatte Schüsse gehört. Langsam begann die Masse zu begreifen und suchte die Umgebung ab, um den Schützen auszumachen. Immer mehr Blicke fielen auf Byron, der nun seinen Mantel auszog. Er nahm das Gewehr mit dem Granatwerfer und richtete es auf die Menge. Explosionsartig verbreitete sich Todespanik, die Menschen fingen an zu schreien und loszulaufen, rannten sich jedoch gegenseitig über den Haufen. Byron zog den Abzug durch und jagte unzählige namenlose Killer in die Menschenmasse, Blut spritzte und Körper fielen zu Boden.
Als das erste Magazin leer war, feuerte Byron die Granaten ab, die Explosionen zerfetzten gleich Dutzende. Arme, Beine, Köpfe, Rümpfe und innere Organe wurden in die Luft geschleudert und fielen auf die Menschen nieder oder schlugen auf das harte Kopfsteinpflaster auf. Blut spritze literweise in alle Richtungen und bedeckte Boden, Wände und Körper.

Als Byron das erste mal nachladen musste, verschaffte er sich einen Überblick. Der Platz war voll mit Leichen und Schwerverletzten und Rot vor Blut. Er sah in die Fußgängerzone, in welche die meisten Flüchtenden gelaufen waren. Sie war abschüssig und die Blutmassen flossen sie herab in einem breiten, roten Fluss. Ansonsten war der ganze Platz unbelebt, wie ausgestorben. Byron ging in die Fussgängerzone, denn er wußte, das sich hier die Menschen verstecken würden.
Er zündete die erste Bombe, sie war in einem Geschäft auf der linken Seite, etwa fünfzig Meter vor ihm. Aus dem inneren des Hauses hörte man eine Explosion, Glas und Trümmer flogen auf die Straße. Er ging auf das Geschäft zu, nach einem Augenblick rannten Menschen aus dem brennenden Haus. Byron legte an und feuerte, drei fielen zu Boden. Er ging an dem Gebäude vorbei, im Inneren waren nur Feuer und Rauch zu erkennen. Aus einer Seitenstraße holte er das Motorrad und fuhr langsam die Fussgängerzone herunter, um nach zweihundert Metern anzuhalten. Ein großes Kaufhaus lag vor ihm, in dem er einige Bomben zündete. Dumpfe Explosionen und plötzlicher Rauch verrieten, das die Sprengsätze nicht entdeckt und folglich auch nicht beseitigt worden waren.
Husten war aus dem beißenden Qualm zu vernehmen. Byron zog sich eine Gasmaske über und tauchte in den Nebel ein, der im inneren des Hauses nachliess. Mehrere Menschen stürzten auf ihn zu, um ins Freie zu gelangen, aber mit dem Gewehr im Anschlag eröffnete Byron sofort das Feuer. Zwei traf er in die Köpfe, die anderen drei in Brust oder Bauch. Er ging durch die Gänge, in denen er noch fünf Menschen erschoss, zu dem anderen Eingang, aus dem an ihm vorbei einige Leute rausliefen. Sie sahen ihn nicht, was auch kaum möglich war mit Tränengas in den Augen.
Als er durch die Tür ins Freie trat, traf er auf eine Menschenmenge, welche den Verletzten half. Vermutlich dachten alle, das der Amokläufer am Marktplatz festgewachsen war, also nutze Byron die Überraschungssekunde, um den Granatwerfer zu aktivieren. Er konnte das Entsetzen und die Angst seiner Opfer spüren, als er die Granate abfeuerte. Sie traf einen Mann in die Brust und sprengte ihn von innen, einige umstehenden wurden von Splittern getroffen und starben ebenfalls sofort. Der Rest flüchtete, aber mit MG-Salven konnte er alle vierzehn erwischen.

Auf dem Rückweg zum Motorrad zog Byron die Gasmaske ab und zündete eine Reihe von Bomben, die an strategisch wichtigen Stellen plaziert waren. Einige wichtige Straßen und Durchgänge in die Innenstadt waren jetzt versperrt oder voll von Trümmern, Gas und Feuer. Nachdem er einige Minuten die Straßen mit dem Motorrad abfuhr, zeigte sich die erste Wirkung: Eine Gruppe stand in einer Straße und wußte anscheinend nicht, wohin sie gehen sollte. Byron erleichterte ihnen die Entscheidung, indem er erst eine Handgranate warf und dann mit dem MG hinterschoss. Während die ersten von Kugeln durchsiebt wurden, explodierte die Granate und schleuderte alle neun gegen die Häuserwände, gleichzeitig drangen tausende von Splittern in die hilflosen Körper. Einige lebten noch, als Byron mit der Pistole in der Hand zu ihnen ging. Zwei Männer und eine Frau waren schwer verletzt, bis er sie endgültig vernichtete. Dem ersten Mann richtete er mit Matarael, welchen er durch Lunge und Herz trieb, den zweiten mit Sahaquiel, den er durch das rechte Auge in das Gehirn schoss und die ältere Frau mit Iruel, welchen er durch Luft- und Speiseröhre jagte und die Halswirbel zertrümmern lies.

Mit dem Motorrad fuhr Byron weiter durch die Stadt und traf nur einige Straßen weiter auf eine größere Menschenmenge. Als er sie sah, hielt er kurz an, um das Bajonett auf das Gewehr zu stecken. Die Leute kamen gerade aus einem Kaufhaus, anscheinend hatte niemand damit gerechnet, das der Amokläufer noch in der Stadt ist. Als sie ihn sahen, war es bereits zu spät, den Weg zum Kaufhaus zurück hatte er schon abgeschnitten. Byron fuhr auf sie zu und eröffnete das Feuer, die Menge rannte schreiend und hysterisch davon. Er verfolgte sie in einer brutalen Hetzjagd, in der er die jeweils letzten in Rücken oder Hinterkopf schoss oder ihnen mit dem Bajonett den Hals aufschlitzte. Einige liefen in Seitenstraßen oder Geschäfte, aber auch dort fanden sie keinen Schutz. Mehrmals mußte Byron nachladen, aber sobald er anhielt, wurden auch seine Opfer langsamer, was ihm die Sache erleichterte. Nach einiger Zeit hatte sich die Horde über mehrere Straßen verteilt, also hielt er kurz an, um einige Bomben zu zünden. Ein ohrenbetäubender Lärm lies die Häuser erzittern und zusammen mit fünf Feuerbällen stiegen Tausende Trümmer in die Luft, um dann Straßen, Autos und Menschen unter sich zu begraben. Byron zog sich die Gasmaske wieder über den Kopf und fuhr langsam in das Gemisch aus Staub, Rauch, Feuer und Nervengas hinein. Die Straße war voller Trümmer, also ließ er das Motorrad stehen und ging zu Fuß weiter. Einige hustende Menschen liefen ihm entgegen, hören und sehen konnten sie ihn aber nicht. Dem Ersten rammte er das Bajonett durch den Hals, eine Gewehrsalve folge dem Schnitt des Bajonetts und traf in das Gesicht seines Hintermannes. Drei weitere Flüchtende bemerkten sofort, was passiert war und liefen zurück in den dichten Qualm, obwohl bereits Einer Blut hustete.
Byron wollte einige Gewehrsalven hinterher schicken, doch erst jetzt merkte er, das er für das Gewehr keine Munition mehr hatte. Er warf es zu Boden, zog das Schwert und rannte seinen Opfern hinterher.
Der bluthustende Mann war schon stehen geblieben, das Gas und der Qualm hatten ihm schwer zugesetzt. Mit einem gezielten Schlag, auf den selbst Duncan MacLeod neidisch gewesen wäre, trennte Byron den Kopf vom Körper und eine Blutfontäne ergoss sich über das staubige Straßenpflaster. Der Körper fiel schlaff zu Boden und der Kopf rollte ein Stück die Straße runter, bis er zwischen einigen Trümmerteilen liegen blieb. Byron rannte die Straße weiter entlang und kreuzte die Fussgängerzone, wo er die zwei anderen Geflüchtenden mit einem Handy telefonierend vorfand. Er schlich sich von hinten heran, um auch sie mit dem Schwert zu töten, aber sie bemerkten ihn, also zog er die Pistole und machte kurzen Prozeß. Leliel schlug durch das Handy, welches der Jüngere noch am Kopf hielt, und drang durch das Ohr bis in das Gehirn vor, wo er stecken blieb.
Der etwas ältere Mann schrie vor Entsetzen und starrte auf die Leiche seines toten Bruders herunter, bis Sekundenbruchteile später Bardiel eine seiner Rippen durchschlug und sich durch seine Leber, Herz und Lunge bohrte; er starb sofort.

Zum Marktplatz waren es nur einige hundert Meter. Byron wunderte sich, das ihm noch niemand auf den Fersen war und ihn gestoppt hat, aber am Markt sah es endlich nach einem Kampf aus: Einige Polizisten mit Gewehren sicherten dort die Arbeit von Sanitätern, welche die Leichen in Leichensäcke verpackten und in Krankenwagen trugen, andere machten Fotos oder filmten. Byron nahm das kleinere Maschinengewehr, welches er bis jetzt nur auf dem Rücken gespürt hatte, und einige Granaten. Er warf einige Blitzgranaten, die ihre Wirkung nicht verfehlten: Die meisten versuchten halb blind, in Deckung zu gehen. Zwei Bewaffnete standen aber hinter den Fahrzeugen und stürmten nun feuernd hervor, Byron reagierte jedoch schnell genug und erwischte beide mit mehreren Salven. Er warf einige Rauchbomben, um sich zusätzliche Deckung zu schaffen und dann noch eine Handgranate, welche unter einem der Krankenwagen explodierte und dessen Insassen tötete.

Er stürmte zu dem zweiten Krankenwagen und stellte sich m,it dem Schwert in der Hand neben die Hecktür, die sich nun öffnete. Einige Polizisten kamen heraus und erblickten Byron, hatten aber keine Chance mehr. Dem ersten schlitze er mit einem schnellen Schlag den Bauch auf, dem zweiten schlug er mit dem selben Schwung das Schwert senkrecht in die linke Schulter, es glitt durch das Herz bis in den Bauch. Der dritte zog seine Dienstwaffe, doch Byron schlug ihm mit einem schnellen Schlag den Arm ab, holte in einer Drehung Schwung und rammte ihm dann das Schwert durch die Rippen ins Herz.
Er sah in den Wagen und fand darin zwei Sanitäter und einen blutüberströmten Mann auf einer Trage. Als der Mann ihn erblickte, begann er hysterisch zu schreien, bis Zeruel sich durch seine Stirn bohrte und ihn zum Schweigen brachte. Die Sanitäter blickten Byron angsterfüllt an, sie ahnten bereits ihr Schicksal. Byron schoss dem ersten Arael ins Herz und dem zweiten Armisael durch die Stirn in den Kopf, zwei schnelle, saubere Schüsse. Er stieg aus dem Wagen und sah sich um, der Platz war nach wie vor mit Leichen übersät und mit Blut bedeckt. Die Anwesenheit Lucifers war deutlich zu spüren und Byron wusste, das sein Werk fast vollendet war, also ging er an den letzten Ort seiner Reise: Lucifer führte ihn in die Kirche.

Als er vor dem schweren Holztor der riesigen, altgotischen Kirche stand, mußte Byron zunächst feststellen, das es verriegelt war, aber eine Handgranate löste das Problem. Er trat ein und war zunächst verwundert, denn mehrere Dutzend Menschen saßen auf den Bänken und starrten ihn an, einige beteten. Er hätte damit gerechnet, das sie in Panik wegrannten, statt dessen blieben sie still sitzen. Wäre er vor einer halben Stunde hier hereingekommen, hätte es ein Gemetzel wie am Marktplatz gegeben, aber jetzt hatte er keine Zeit mehr dafür. Er ging durch die Reihen nach vorne, bis sich ihm auf halben Weg der Pfarrer entgegenstellte. Doch Byron war nach wie vor der Gesandte Lucifers und hatte zudem ein Schwert in der Hand, mit dem er den Kopf des Pfarrers von dessen Körper trennte. Kopf und Körper fielen zu Boden, während ein Aufschrei durch die Kirche ging, doch Byron lies sich nicht beeindrucken und ging nach vorne zum Altar.
Er sah zu Jesus hinauf, der am Kreuz hing und eine seltsame Wärme ausstrahlte. Es wurde immer wärmer, bis nach einer halben Minute die Statue in Flammen aufging. Sie bewegte und veränderte sich, die Flammen wurden kleiner und erlöschten schließlich. Die Figur sah jetzt völlig anders aus, nicht erinnerte mehr an Jesus. Sie bewegte sich weiter, vibrierte und summte, bis die schwarze Rußschicht vom Gesicht abfiel und eine Fratze zum Vorschein kam, die sehr lebendig aussah. In der Kirche war es schon die ganze Zeit unruhig, doch als sich die Augenlider öffneten und zwei rot-glühende Augen die Menge anstarrten, standen die ersten auf um zu gehen. Byron reagierte blitzschnell: Er drehte sich, ging zwei Schritte zur ersten Reihe, wo gerade ein älterer Mann aufgestanden war und schlug ihm das Schwert senkrecht auf den Kopf, der darufhin in zwei Hälften gespalten wurde. Schlagartig wurde es still und die meisten setzten sich wieder hin bis auf einen, der bereits im Gang stand und nun zur Tür rannte. Byron schleuderte das Schwert hinterher und traf ihn mit der Klinge genau zwischen den Schulterblättern. Der Mann schrie auf und viel nach vorne, statt einen dumpfen Aufpralls hörte man jedoch die sich in den Boden bohrende Klinge.

Zurück am Altar sah Byron wieder in die Höhe, die Figur hatte das Geschehen mit Wohlwollen beobachtet. Der Mund öffnete sich und die Gestalt atmete ein, beim ausatmen stoss sie schwarzem Qualm aus. "Du weißt, wer ich bin?" fragte der am Kreuz hängende Körper mit einer Stimme, die direkt aus der Hölle zu kommen schien, und Byron antwortete: "Ich habe deinen Willen befolgt, ich habe für dich gerichtet." "Du hast ein großes Werk verrichtet, an dem viele andere gescheitert sind. Mit deinem Werk wirst du in die Geschichte eingehen und selbst Gott wird dir seinen Tribut zollen müssen." "Warum sollte Gott mein Werk gutheißen?", wollte Byron wissen, und Lucifer antwortete: "Sein Respekt gilt nicht nur den Schöpfern der Welt, sondern auch den Zerstörern. Du hast etwas vollbracht, das er konnte es nicht verhindern konnte. Deshalb ist dir sein Respekt sicher." "Wird er mich nicht bestrafen? Dafür ist er bekannt", fragte Byron. "Er straft niemanden, den er fürchtet alle Menschen, die zu Engel oder Dämonen werden. Du wirst auf der anderen Seite ein mächtiger Dämon werden, das spüre ich", sagte Lucifer. "Gott fürchtet sich vor Menschen? Wie kann Gott Furcht verspüren?" fragte Byron. "Er ist ein gefangenes Wesen wie wir alle. Es gibt noch eine Macht über ihm, aber dieses allmächtige Wesen steht außerhalb aller Regeln und besteht aus allem, was existiert. Denke nicht weiter über es nach, denn es steht zu weit über dir und steckt zu tief in dir, als das du es begreifen könntest. Jetzt solltest du den Übergang in deine neue Existenz vollziehen" sagte Lucifer, und Byron verstand. "Du weißt, was jetzt kommen wird. Du hast dich darauf vorbereitet, ohne es zu wissen. In deiner Waffe wartet Tabris auf die Vollendung. Ich werde dir jetzt wiedergeben, was ich dir genommen habe, und die Dinge werden ihren Lauf nehmen" sprach Lucifer und löste sich vom Kreuz. Er sprang auf den Altar und beugte sich zu Byron, aber zögerte. Sein Blick fiel in die Kirche, deren Bänke noch immer mit Menschen gefüllt waren, die alles mitangesehen hatten. Lucifer richtete sich auf und erhob seine Arme. Die Luft begann zu flimmern und die Gläubigen fingen an zu schreien, Sekunden später gingen sie in Flammen auf. Sie brannten nur einen kurzen Moment, bevor die Flammen erstickten, dennoch blieben nur Knochen und Asche übrig.
Lucifer beugte sich wieder runter und sah Byron direkt in die Augen. Diese begannen immer heller zu glühen, bis Byron geblendet wurde. Eine Kraft packte ihn und schleuderte seinen Körper mit einem mächtigen Schlag weg. Byron lag auf dem Boden zwischen den Bänken der ersten Reihe und hob seinen Kopf, Lucifer stand noch immer auf dem Altar. Er hob seine Arme und formte in der Luft eine fußballgroße Kugel aus dunklem Rauch, die er gegen Byron schleuderte. Die Kugel umhüllte Byrons Kopf, ein stechender Schmerz durchfuhr ihn. Als der Qualm sich wieder verzog, konnte er immer noch Lucifer auf dem Altar sehen, der sich nun aber in die Luft erhob und rückwärts an das Kreuz schwebte. Der Körper ging wieder in seine ursprüngliche Stellung, dann schossen aus dem Holz schwere Eisennägel und durchbohrten die Handflächen, welche zu bluten begannen. Der Körper ging erneut in Flammen auf, welche sämtliche Konturen wegfrassen, übrig blieb nur ein verkohltes Stück Holz.

Byron stand auf und fragte sich, was Lucifer ihm wiedergegeben hatte, denn er hatte nichts vermißt. Es wurde ihm schnell klar, denn in seinem Kopf manifestierte sich ein Gedanke, eine einzelne Frage, die ihn zu ersticken schien: Was habe ich nur angerichtet? Jetzt wurde ihm klar, was ihm Lucifer nahm und er nicht vermißt hatte: Sein Gewissen. Der andere Engel hatte es ihm nachts gesagt, aber erst wurde Byron bewußt, was er gemeint hatte. Er dachte an all die Toten und das Leid, das er über die Menschen gebracht hatte. Ein tiefer Schmerz durchstach ihn, schien ihn innerlich aufzufressen. Er spürte Reue, Mitleid, Angst, alles auf einmal, härter, stärker und intensiver, als es ein einzelner Mensch wohl jemals hatte ertragen müssen. Sein Körper wurde schwerer und er konnte kaum atmen, die Schuld schien ihn zu erdrücken. Er nahm die Pistole, steckte das letzte Magazin hinein und lud den letzten der Engel in den Lauf. Tabris würde alles beenden, würde seine Seele reinwaschen und seinen Schmerz töten. Durch die offene Tür sah er draußen dunkle Gestalten, vermummte Polizisten mit Stahlhelmen und Gewehren, die vermutlich jeden Moment hineinstürmen würden. Für einen Moment bedauerte er, das er sein Glanzstück wohl nicht mehr erleben würde, denn das Aussetzen seines Herzschlages würde noch einige Zünder auslösen und damit die halbe Stadt in ein Trümmerfeld verwandeln.

Er nahm den Lauf der Waffe in den Mund und glaubte für einen Moment, den Herzschlag von Tabris spüren zu können. Vielleicht war es auch sein eigener. Alles um ihn herum wurde still und die Geschichte nahm ihren Lauf, ein neuer Schritt im ewigen Kreislauf von Anfang und Ende war getan.